Nr. 22/2012 vom 31.05.2012

Enthemmte

Dank der Zeitung «Der Sonntag» flog ein schockierender Fall von Kinderhandel auf: «Heute bieten nebst Swissquote auch die Migrosbank und Postfinance Zehnjährige für unter 2 Prozent an.» Zum Glück muss das Gottlieb Duttweiler nicht mehr erleben. Und die Postfinance hat offenbar jetzt, da sie nicht mehr über eine unbegrenzte Staatsgarantie verfügt, jegliche Scham verloren.
Karin Hoffsten

Steigende

Vermutlich wird die Postfinance ihr verwerfliches Gewerbe bald in die USA ausdehnen, dort «sind Babys mit weisser Hautfarbe in der Unterzahl, teilt das US-Büro für Volkszählung heute mit» – also bald einmal Mangelware. Als Grund dafür gilt gemäss «Blick am Abend» «vor allem der Anstieg der Lateinamerikaner und der Asiaten in den USA». Anstieg? Jetzt wird bei der weissen Bevölkerung auch noch der Markt für Potenzmittel boomen. Dass diese Nachricht von jemandem mit dem Kürzel «woz» verfasst wurde, macht die Sache nicht besser.
Karin Hoffsten

Werbende

«Mönch wird oft unterschätzt», meldete der «Tages-Anzeiger». Das wundert uns nicht. Vor allem das Schweigegebot verhindert, dass die Diener Gottes ihre Fähigkeiten ins Rampenlicht rücken. Doch da der heutige Ordensbruder seine Zeit nicht mehr mit aufwendigen Bibelhandschriften vertun muss, könnte er ja auch mit selbst gestalteten Websites auf sich aufmerksam machen.
Karin Hoffsten

Kannibalische

Dieselbe Tageszeitung schickte zwei Redaktoren zum Geschmackstest in die Kantine der Zürcher Stadtverwaltung. Man zeigte sich angetan: «‹Wirklich fein, das Fleisch nicht trocken, der Reis gut und die Erben spitzenmässig.› Ein Gesamturteil, dem sich die beiden anderen Karnivoren anschliessen.» Offenbar machen die Hinterbliebenen auch noch gute Miene zum bösen Spiel. Man mag ja von der rot-grünen Stadtregierung halten, was man will, aber das haben selbst wir nicht erwartet.
Karin Hoffsten

Tolerantere

Dafür ist etwas, worauf wir lange gewartet haben, endlich da, allerdings häufig in Form chinesischer Fälschungen, wie der «Blick am Abend» meldete: «Vor allem elektronische Bestandteile für den Funk, das GPS und Nachsichtgerätschaften.» Wenn die chinesischen Dinger funktionieren, kann uns das eigentlich egal sein – Hauptsache, es kommt ein bisschen mehr Langmut in die Welt!
Karin Hoffsten

Gestikulierende

Etwas mehr davon stünde auch dem Schweizer Militär gut an, denn am Wochenende berichteten von «NZZ Online» bis zu «Blick Online» so viele Onlineportale, dass wir kaum mit Zählen nachkamen: «Neben dem Kampfjet sorgt nun auch das neue Militärvelo für rote Köpfe. Souffliert von unterlegenen Veloherstellern verrühren selbstberufene Veloexperten ob dem Typenentscheid die Hände.» Das Verrühren wurde offenbar mit der Zeit anstrengend, weshalb einige lieber zum «Verwerfen» griffen. Schliesslich sind wir in der Schweiz. Weshalb es auch, wie WOZ-Leser H. schrieb, schlussendlich zum Handshaking kommen wird – ganz egal, ob geschüttelt oder gerührt.
Karin Hoffsten

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