Nr. 33/2012 vom 16.08.2012

Von Jürg Fischer

Amalgamierte

Das Militär kann angeblich alles Mögliche, zum Beispiel zusammenschweissen oder, gemäss NZZ, -schmelzen, wenn sie fragt: «Aber inwiefern war das israelische Militär je der Schmelztiegel, als den es immer galt?» Das wissen wir auch nicht, aber selbst Wohlgesinnte würden antworten: «Nicht in jedem Fall.»

Wüstenartige

Auch die Schwesterzeitung «NZZ am Sonntag» war vor Ort: «Gegen die Terrorzellen, die nach Informationen des israelischen Militärs zu verschiedenen palästinensischen und internationalen Gruppen von der schiitisch-libanesischen Hamas bis zum sunnitischen Terrornetzwerk al-Kaida gehören und die menschenleere Berglandschaft im Innern der Sinaihalbinsel seit Jahren als Rückzugsgebiet nutzen, ging das Militär bisher nie rigoros vor.» Unser Gewährsmann K., dem diese Passage auch ein bisschen schmelztieglig vorkam, schreibt dazu: «Wie man hört, soll der NZZaS-Journalist an der libanesischen Grenze von der drusisch-alawitischen Hisbollah mit einer infamen Lachattacke terrorisiert worden sein. Glücklicherweise konnte er sich zurück in die Hände des israelischen Militärs retten.»

Schuppige

Wie füllen sich die Spalten eines Onlinemediums im Sommer? Auch nicht einfacher als die der gedruckten Medien. Zum Glück gibt es aber da wie dort Schreibende, die blumig formulieren können, wie etwa bei bluewin.ch den Text zur Fotografie eines Fischs, der einem Alligator in den Mund fliegt: «Das Schlaraffenland hat ein Alligator im Myakka River in Florida gefunden. Zwar fliegt ihm keine gebratene Taube ins Maul, dafür aber ein frischer Fisch. Was den Hornhecht zu seiner selbstmörderischen Aktion veranlasst haben könnte, ist leider nicht mehr zu erfragen. Fast könnte man eine Verzweiflungstat vermuten: Der Fluss führt aufgrund der Trockenheit extrem wenig Wasser und rund 70 Alligatoren tummelten sich hier auf kleinstem Raum, um hier ihren Schnapp zu machen. Da brennen selbst dem Hecht im Karpfenteich die Sicherungen durch!» Weit und breit kein Karpfen in Sicht, dafür eine Metapher!

Missverständnisträchtige

Apropos Florida. Da ist es auch zu Lande nicht ungefährlich, weiss die Gratiszeitung «20 Minuten»: «Schwangerer Megapython eingeschläfert. Wissenschaftler haben in Florida einen riesigen trächtigen Tigerpython gefangen – und getötet. Der Brocken war der grösste Python, der bislang in Florida gefunden wurde.» Schlangengezücht treibt sein Unwesen und nebenher mit seiner Geschlechtsidentität ein Verwirrspiel. Der schwangere Mann ist immer noch eine Utopie, der wir nicht ganz ohne Skepsis begegnen.

Usurpierte

Dass auch die Schweiz eine koloniale Vergangenheit hat, daran erinnerte vor einigen Wochen die «Neue Zürcher Zeitung». Und anscheinend nicht nur eine Vergangengheit, sondern auch noch viel Zukunft: «Dies jedenfalls erfuhren Schweizer Historiker, als sie sich im Juni mit italienischen Fachkollegen zu einem Kongress dies- und jenseits der Grenze trafen. Thema: Die vor 500 Jahren beginnende, beinahe 300 Jahrhunderte dauernde Herrschaft Graubündens in den drei norditalienischen Talschaften Veltlin, Chiavenna und Bormio.» Ach, deshalb ist der Veltliner der günstigste Wein in Bündner Beizen!

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