Nr. 43/2012 vom 25.10.2012

Velwechsernde (Forts.)

Vergangene Woche zitierten wir an dieser Stelle die Website der Jungen Grünen, auf der seit drei Monaten zu lesen war: «Junge Grüne fordern Kriesgmaterialexprotstopp JETZT!» Nun dürfen wir feststellen, sie lesen die WOZ, wenn auch nur flüchtig. Denn neuerdings heisst es: «Junge Grüne fordern Kriesgmaterialexportstopp JETZT!» Vielleicht ist das aber nur ein gelungener Trick, um möglichst oft in die Medien zu kommen.
Jürg Fischer

Auslastende

In der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehens kündigte der Direktor von Graubünden Ferien kürzlich an, künftig «die Gäste viel intensiver noch ‹abholen›» zu wollen. Service touristique! Es dürfte nicht bei leeren Versprechen bleiben, wie sich zwei Sätze später zeigte: «Es gehen diverse neue Hotels demnächst auf den Markt aus Graubünden. Und da denke ich, haben wir eben auch eine Chance, dass wir die Gäste dort abholen können.» Stellen Sie, mehr als potenzieller Gast, sicher, dass Sie auf dem Markt stets Ihre Kreditkarte dabeihaben.
Jürg Fischer

Personenfreizügige

Die Schlagzeile auf der Titelseite der «SonntagsZeitung» lautete am vergangenen Sonntag: «Jeder vierte Arzt in der Schweiz stammt aus dem Ausland». Da sagen wir: Ja, und? Schliesslich sind auch viele Krankheiten eingeschleppt.
Jürg Fischer

Verschwörungstheoretische

Manche sind auch echt eidgenössisch, denn DRS 1 erläutert auf seiner Website die Pläne des Bundes: «Mit dem revidierten Tierseuchengesetz sollen Seuchen besser vorbereitet werden.»
Karin Hoffsten

Verortende

Die NZZ meldete aus den besetzten Gebieten: «Der Bau der neuen Wohnungen bedeutet die westliche Expansion des Quartiers Gilo, das in unmittelbarer Nähe des Westjordanlands an der Südflanke Ostjerusalems liegt.» Nicht genug damit, dass sie ihre mehr als fragwürdige Siedlungspolitik unbeirrt fortsetzen, sie betreiben auch ein geografisches Verwirrspiel ohnegleichen.
Jürg Fischer

Kompetente

Weil den zahllosen Intellektuellen der SVP seit Jahren an Schweizer Universitäten die Lehrstühle verweigert werden, will die Partei den linken Unifilz jetzt kritisch durchleuchten: In öffentlichen Kolloquien sollen die gelehrtesten Köpfe den wissenschaftlichen Diskurs pflegen. Weil die Unis wenig begeistert reagierten, mutmasste die «Weltwoche», der Lehrkörper fasse die schöne Idee als «Majestästbeleidigung» auf, und fragte: «Wo bleibt der intellektuelle Sportsgeist?» Den hat sie doch selbst ins Geäst gesetzt, das er gerade absägt.
Karin Hoffsten

Marode

Im Stellenmarkt der «Berner Zeitung» wurde «fide», das neue Sprachlernsystem des Bundesamts für Migration, vorgestellt: «fide geht von der Selbstverantwortung der Migrantinnen und Migranten aus und lehrt ihnen die notwendigen Sprachkompetenzen.» Ha, dachten wir in Einklang mit WOZ-Leserin B., «fide» selbst pflegt mit der Sprachkompetenz offenbar einen lockeren Umgang! Doch dann brach unsere Welt zusammen: Der Duden erlaubt allen Ernstes, jemandem etwas zu lehren. Das lehrt unsereinem nur eins: das Fürchten.
Karin Hoffsten

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