Nr. 49/2012 vom 06.12.2012

Von Karin HoffstenMail an AutorIn

Zeitreisende

«‹Zürich ist gebaut›, sagte dereinst die städtische Baudirektorin», sagte wiederum kürzlich Daniel Binswanger im «Magazin». In der Doppelbedeutung des Adverbs «dereinst», das laut Duden in Vergangenheit und Zukunft weisen kann, glaubte ein Leser des Autors heimliche Sehnsucht nach Ursula Kochs Rückkehr zu spüren. Wir selbst wären zwar auch neugierig, wie es ihr wohl gehen mag, und wünschen ihr alles Gute, würden uns jedoch inzwischen ohne grünen Glasturm fast heimatlos fühlen.

Vorsichtige

Ähnlich verschwommen schrieb die NZZ zu einem weit ernsteren Fall: «Hat Arafat nur eine keine Dosis aufgenommen, könnte man diese Vergiftung jetzt nicht mehr nachweisen.» Die Gründe für diese Formulierung sind wohl diplomatischer Natur. Zu viel Eindeutigkeit könnte den Nahostkonflikt weiter anheizen.

Verdrehte

Der «Blick am Abend» versuchte sich bei Krawatte tragenden Politikern an Stilkritik. Unter dem Foto von Daniel Jositsch stand: «Der Schlips des SP-Politikers ziehts noch mehr nach links.» Offenbar glaubt man, bei Nationalräten sei auch der Schlips aktiv. Davon abgesehen, ziehts besagten Schlips vom Träger aus gesehen aber klar nach rechts. Gemeinsam mit WOZ-Leser G. erinnern wir den «Blick am Abend»: Links ist, wo der Daumen rechts ist!

Fachliche

Apropos Stilkritik. Im «Tages-Anzeiger» erfreut Bettina Weber regelmässig mit geschmackssicheren Tipps und Tricks. Einem Herrn mit schütterem Haar, dessen Gattin sich der radikalen Kopfrasur widersetzt, empfahl sie: «Greifen Sie also zur Tendeuse und arbeiten Sie sich Schritt für Schritt an die Länge heran, die Ihnen gefällt.» Seither überlegen wir: Dient besagte Tendeuse dazu, das Haar zu strecken? Dann wird es länger, aber nicht dichter. Vielleicht ist es einfach eine Tondeuse, die besonders zärtlich rasiert.

Linguistische

«Für ein viertes Gleis am Stadelhofen – Golfküste stützt VCS-Initiative», berichtete die NZZ. Wir sehen hier ein typisches Beispiel für den Sprachwandel. Aufgrund der Tatsache, dass an der Goldküste selbiges zunehmend in private Golfplätze investiert wird, gabs eine regionale Konsonantenverschiebung vom d zum f.

Beigetretene

In der vorletzten WOZ hiess es im Bericht über die Prostitution am Zürcher Sihlquai: «Die meisten Frauen halten sich folglich immer nur wenige Wochen in Zürich auf. Danach kehren Sie entweder zurück oder ziehen für weitere drei Monate in ein anderes EU-Land weiter, um dort auf dem Strassenstrich zu arbeiten.» Um es ein für alle Mal klarzustellen: Ja, wir wissen, dass sich die Schweiz dem Vogt in Brüssel nicht beugt.

Gehäufte

Und das verspricht ein hübscher Prospekt: «Den SonntagsBlick täglich bequem in Ihrem Briefkasten: welch ein Vergnügen!» Na ja, am Sonntag ist es noch lustig, aber spätestens ab Dienstag wirds mühsam.

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