Nr. 50/2012 vom 13.12.2012

Peristaltische I

Ob Profisport gesund ist, ist umstritten. Vor allem der Psyche von Fussballtrainern, die ja permanent auf einem Schleudersitz arbeiten, ist er kaum zuträglich, auch wenn der Einzelfall komplex ist, wie die «NZZ am Sonntag» wusste: «Fringers Entlassung ist nur der Ausfluss einer Gemengelage aus sportlichem Krebsgang, Machtkämpfen, Abgängen und Strukturproblemen.» Wenigstens wirkt er bestimmt abführend.
Jürg Fischer

Peristaltische II

Nicht alles, was grammatikalisch korrekt ist, ist stilistisch sinnvoll beziehungsweise geeignet, uns kognitiv auf den richtigen Pfad zu führen. So schrieb die Website von bluewin.ch: «Von teuren Kaffeebohnen, die eine Veredelung erfahren, indem sie den Verdauungstrakt der Zibetkatze durchwandern, haben wir schon gehört. Ein neues preisliches Schwergewicht ist der ‹Black Ivory› Kaffee aus Thailand. Die Bohnen müssen vorher Elefanten fressen.» Offensichtlich ein Fall für Pro Specie Rara: Stoppt die Killerbohnen!
Jürg Fischer

Falschgegriffene

Es weihnachtet, und auch die Thalia Buch AG hält Geschenkvorschläge parat. Da wäre zum Beispiel das Enthüllungswerk «Herausgefordert. Die Geschichte der Basler Zeitung», das laut Werbebroschüre zum Fazit kommt: «Doch Rezension und Zeitungskrise liessen den Konzern ins Taumeln geraten.» WOZ-Leserin R. geht davon aus, dass der Machtzuwachs Medienschaffende in seliges Torkeln versetzen wird, während die Konzernleitung der «BaZ» unter dem Weihnachtsbaum zähneknirschend Goethe zitiert: «Schlagt ihn tot, den Hund! Es ist ein Rezensent.» Man wird ja noch träumen dürfen!
Karin Hoffsten

Verdeckte

Auch die WOZ Nr. 48/12, weitherum «die Goldene» genannt, griff eine brisante Aktion auf: «2005 lud Rothschild EU-Handelskommissar Peter Mandelsohn am WWF in Davos zu einer Reise in seinem Privatjet nach Russland ein, um dort ‹privat› eine Deripaska-Aluminiumschmelze zu besichtigen.» Damit machten wir nachträglich öffentlich, mit welchem Geschick die Umweltschutzorganisation undercover agiert. Leider fand die Reise nicht statt. Einem Security-Mann war aufgefallen, dass sich auf den Namensetiketten die übers F geklebten E ablösten. Der WWF flog raus, das WEF blieb, was es ist.
Karin Hoffsten

Unerreichbare

«True Love oder Friendship?», fragt eine Immobilienfirma in einem Inserat, das sich entweder an AngelsächsInnen mit lückenhaftem Grundwortschatz richtet oder an SchweizerInnen, die nicht mögen, wenn grad alles auf Englisch ist. Auf jeden Fall muss die Zielgruppe ein Leben zu zweit ins Auge fassen: «Sind Sie auf der Suche nach der perfekten Paarwohnung? Dann entdecken Sie auf www.wrighthouse.ch Ihren Paarstyle, die passende Wohnung und die unerreichte Erreichbarkeit.» Doch die lernt erst kennen, wer nicht aufs Klo kann, weil gerade die andere Paarhälfte drauf sitzt.
Karin Hoffsten

Unvergessene

Und zum Schluss noch ein Klassiker, veröffentlicht auf «Blick Online», gestiftet von WOZ-Leser K.: «Nino Schurter gedenkt totem Mechaniker.» Da das sehr traurig ist, gedenken wir zum Jahresende noch mal herzlich allem, dem 2012 so gedacht wurde. Dem Genitiv nehmen wir uns im Januar wieder an.
Karin Hoffsten

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