Nr. 10/2013 vom 07.03.2013

Von Karin HoffstenMail an AutorIn und Jürg Fischer

Gesteigerte

Von der «NZZ am Sonntag» interviewt, liess sich Rolf Bollmann, der Verlagschef der «Basler Zeitung» («BaZ»), wie folgt vernehmen: «Wäre die BaZ ein Parteiblatt der SVP, wie Sie meinen, warum liegt dann jeden Samstag ‹Das Magazin› aus dem Haus der Tamedia der Zeitung bei? Das ist ein Produkt, das noch linker ist als ‹Die Wochenzeitung›.» Als wir diese Worte lasen, haben wir flugs das Spieglein an der Wand konsultiert: «Sag mir, wer ist die Linkste im ganzen Land?» Es antwortete: «Frau WOZ, das seid Ihr, doch hinter den sieben Bözbergen versteckt sich in den Falten der ‹BaZ› ein hochglänziges Magazin, das tut noch tausendmal linker als Ihr.»
Jürg Fischer

Verschobene

Weshalb ist das klassische Altertum untergegangen? Vielleicht, weil es zu viele verschiedene Begriffe buchstäblich zu wenig unterschieden hat. Aber auch die Jetztzeit ist stark gefährdet, zumindest, wenn sie zu oft auf die alten Fremdwörter zurückgreift. So hiess es im Artikel über die inflationär und trivial gewordene Empathie (WOZ Nr. 9/13): «Deshalb: Seid emphatisch, wo es konstruktiv ist, still und unspektakulär. Und zeigt euer Unverständnis, wo es notwendig ist, klar und unnachgiebig.» Aus «empathisch», dem Verständnisinnigen, wurde «emphatisch», das Nachdrückliche. Der Text erschien in der Rubrik «Enzyklopädie der zeitgenössischen Irrtümer». Quod erat demonstrandum.
Jürg Fischer

Entfeminisierte

Der «Tages-Anzeiger» berichtete kürzlich: «Der Hollywoodstar Scarlett Johansson will ihre Karriere als Sängerin weiter vorantreiben.» Nur eine Woche vor dem internationalen Tag der Frau wollte man offenbar eine der Sexiest Women der letzten Jahre nicht durch Zuordnung eines maskulinen Possessivpronomens entstellen. Das ist zwar verdienstvoll, doch auch ein weiblicher Hollywoodstar hat ein Recht auf seine Karriere.
Karin Hoffsten

Frischverliebte

Bis letzte Woche berichteten im «Tagblatt der Stadt Zürich» abwechselnd eine Frau und ein Mann über die «Freuden und Tücken des Single-Lebens». Über dem «Single-Tagebuch» von Singlefrau Katja erschien kürzlich folgende Anzeige: «Gott spricht: Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben.» Noch glaubten wir an einen Zufall. Doch dann verabschiedete sich Katja unter folgender Botschaft: «Glücklich ist, wer seine Hoffnung auf den Herrn setzt.» Wie schön – ein Happy End!
Karin Hoffsten

Schwebende

Gemäss Bildlegende druckten wir vor zwei Wochen eine «Luftaufnahme der Psychiatrischen Uniklinik Zürich, des Burghölzli, aus der Gründerzeit um 1870» ab. Darauf fragte uns WOZ-Leser G., ob denn das «gääle Wägeli» schon habe fliegen können oder wie die Aufnahme «immerhin mehr als dreissig Jahre vor den Brüdern Wright (1903)» wohl entstanden sei? Heissa, begann da ein Hin und Her in unserer Redaktion, ein Werweissen und Diskutieren, dass es nur so eine Freude war! Der Fotograf sass in einem Ballon, meinten die einen, worauf andere einwandten, dass der angesichts damaliger Belichtungszeiten aber still gestanden haben müsste. «Vielleicht reichten die Alpen noch bis Zürich, und das Foto entstand auf einem Berggipfel?», spekulierten ganz Verwegene, denn die Originalfotografie ist undatiert. Schliesslich blieb uns nur, der Wahrheit ins Auge zu sehen: Wann immer diese Aufnahme entstand – 1870 wars wohl nicht.
Karin Hoffsten

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