Nr. 12/2013 vom 21.03.2013

Von Karin Hoffsten

Spezialisierte

«Gott macht Sinn» lautet der Buchtitel, den Leserin R. in einem Schaufenster entdeckte und als «im doppelten Sinne fragwürdig» empfand. Doch nachdem wir uns kürzlich in dieser Rubrik wortreich darüber verbreitet hatten, dass selbst ein «Tatort»-Kommissar mit Sprachgefühl am «Sinn machen» leidet, schrieb uns Herr G., WOZ-Leser und Philologe, die Diskussion sei doch «längst gelaufen», und belegte seine Behauptung auch. «Sinn machen» sei zwar ein Anglizismus, aber nicht, weil man im angelsächsischen Raum glaube, alles machen zu können, sondern wegen eines Übersetzungsfehlers: «To make» und «machen» stammen nämlich vom selben altniederdeutschen Wort ab, haben sich jedoch in ihrer Bedeutung völlig unterschiedlich entwickelt. Nachgerade erschüttert haben uns jedoch die mitgelieferten Zitate von Lessing und Goethe: Offenbar bedienten sich schon unsere Grossen vor über 200 Jahren ganz unbefangen des Sinn-Machens. Interessierten senden wir gerne die entsprechenden Links. Was die angesprochene Fragwürdigkeit auf inhaltlicher Ebene betrifft, gehen wir jedoch mit Leserin R. völlig einig. Aber mit Gläubigen wollen wir uns nicht auch noch anlegen.

Spezialisierte II

Dank Pressemitteilung erfuhren wir von einem wichtigen Besuch. Der «exzellente Whisky-Experte und Film-Professor» Walter Schobert «kommt eigens aus seiner Heimat, der Whisky-Insel Islay eingeflogen, um am Raritäten-Tasting Whisky, bei dem sechs Flaschen weltbestem und teuerstem Whisky (bis zu 1990 CHF pro Flasche) geöffnet werden, ein Referat zu halten. Er gibt dabei all sein Fachwissen weiter.» Wie schnell das geht, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden.

Spezialisierte III

«Mit dem neuen Postorganisationsgesetz, das am 1. Oktober 2012 in Kraft getreten ist, muss das Personal der Post nach einer Übergangsfrist von maximal zwei Jahren nach der Umwandlung der Post in eine Aktiengesellschaft – diese erfolgt voraussichtlich am 1. Juli – unter das Privatrecht gestellt werden. Das Verfahren im Konfliktfall ändert für die Mitarbeitenden bereits ab dem 1. Juli 2013.» Man merkt es einfach, wenn Fachleute formulieren! Auch im Namen des Postpersonals danken wir der Gewerkschaft Medien und Kommunikation für die luziden Sätze.

Feminine

«Den Genuss, in melodischem Schwermut zu schwelgen», formulierte der «Tages-Anzeiger» in einem Anfall von Wagemut. Doch Schwermut kommt nicht vor dem Fall, sondern vor dem Genus. Aber nur Mut – ist ja auch schwer!

Treffende

In der Serie «Wie sage ichs richtig?» lassen wir dieselbe Tageszeitung zu Wort kommen: Bärenmutter Jurka sei in «eine landschaftlich abwechslungsreiche Gegend, in der die ursprüngliche Bärenpopulation jedoch veraltet war», umgesiedelt worden. Selbst noch nicht so veraltet, brachte Jurka dort all die späteren Problembärchen zur Welt, die inzwischen das Zeitliche gesegnet haben. Aber auch Menschenkinder haben es nicht leicht, denn die müssen in die Krippe und dort, heisst es weiter, «erstatteten die Behörden regelmässig unangemeldete Kontrollbesuche (…)». Solange sie die Kinder dabei nicht bestatten, wollen wirs gut sein lassen.

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