Nr. 37/2013 vom 12.09.2013

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Wildgewordene

Die mit einem neuen Layout versehene «NZZ am Sonntag» buhlte um verstärkte Aufmerksamkeit, und so vertieften wir uns in die Finessen der dänischen Haute Cuisine: «Zum Hauptgang den erntefrischen Rotkohl, der nun in der Farbe und im Aroma seinen Höhepunkt erreicht hat und nur noch etwas Butter und hauchzartes Dammhirschfleisch zur Vollendung braucht.» Das Wasser lief uns im Mund zusammen, auch wenn wir mit nordischem Wild und seiner Schreibweise nicht sehr vertraut sind. Der Dammhirsch wird wohl jener sein, den der Deichgraf schiesst.

Vermählende

Natürlich war unser Appetit damit noch nicht gestillt, und wir erhielten einen Nachtisch: «Und während man noch mit sich selber debattiert, ob die Rande nun wirklich in ein Dessert gehört, ist man längst in die Marriage mit dem säuerlichen Rhabarber und der milden Milch-Glace verliebt.» Rande, Rhabarber, da rollen die Rs, kein Wunder, dass sie sich in der «Marriage» zusammenfinden.

Haarspalterische

Während wir mit Buchstabensuppen der «NZZ am Sonntag» noch einigermassen klarkommen, kapieren wir die Inhalte des «Wissen»-Bunds oftmals nicht, zum Beispiel: «Der kleinste ETH-Roboter misst so viel wie der Zehntel eines Haares.» Akkusativfehler!, glaubten wir, denn seit wann misst ein Zehntelhaar irgendetwas? Die Roboterli sind aber tatsächlich megaklein, und um Haaresbreite lagen nur wir daneben.

Deflationäre

Auch sonntags wollen wir wissen, wie das Wetter wird und ob wir Sensibelchen uns raustrauen können. Gemäss «Sonntagszeitung» war am vergangenen Sonntag Vorsicht angebracht: «Das feuchtwarme Wetter bringt vermehrt rheumatische Beschwerden. Dazu sind auch Personen mit niedrigem Luftdruck etwas stärker belastet.» Da wir unsere diesbezüglichen Daten noch nie hatten checken lassen, nahmen wir auf den Ausflug einfach eine Fahrradpumpe mit.

Abgeschiffte

Am Fernsehen meinten wir beobachtet zu haben, dass Roger Federer an den US Open wortwörtlich im Gegenwind stand. Aber sein meteorologisches Problem ist gemäss Interview in der NZZ ein anderes: «Und Sie persönlich? Wissen Sie, was Sie am meisten brauchen, oder stehen Sie selber vor einem Fragezeichen?» – «Die Niederschläge sind für mich ja nichts Neues mehr. Ich habe seit drei Monaten mit Rückschlägen zu kämpfen.» Etwas erleichtert sind wir, denn wie heisst es? Nach em Räge schynt d Sunne …

Typische

Laut «Blick am Abend» darf Hündin Kaya «ihr Frauchen Claudia van de Wauw» nicht mehr zur Arbeit begleiten. Wie WOZ-Leserin U. anmerkte, soll unter KatzenhalterInnen der Name «van de Miauw» ebenso verbreitet sein wie «van de Hauw» in der Schlägerszene.

Haarige

Auch die Trennung der Woche entstammt der oben genannten Gratiszeitung: «Schnur-zegal» beschreibt die pflanzliche Alternative zu «fur-zegal», das international geächtet wird, weil ihm regelmässig kleine Pelztiere zum Opfer fallen.

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