Nr. 02/2014 vom 09.01.2014

Könige der Ausbeuter

Von Mario Walser

Gazprom, Glencore Xstrata, Syngenta, BASF – das sind für einmal keine Blue Chips im Aktienportfolio eines Investors, sondern Nominierte für den Publikums- und den Jurypreis der Public Eye Awards 2014. Weder Nominierte noch Gewinner freuen sich, dass die öffentliche Aufmerksamkeit auf ihre Machenschaften gelenkt wird. Denn am 23. Januar 2014 prämieren die beiden Organisatoren Erklärung von Bern und Greenpeace in Davos jene Konzerne, die sich 2013 besonders verantwortungslos gegenüber Mensch und Umwelt verhalten haben.

Diese Unternehmen stehen im Verdacht, Lohnabhängige auszubeuten, Korruption zu fördern, Menschenrechtsverletzungen zu begehen oder zu tolerieren sowie Umweltsünden zu vertuschen. Die Anschuldigungen sind schwerwiegend. Deshalb überprüft das Institut für Wirtschaftsethik der Universität St. Gallen im Vorfeld der Nomination deren Stichhaltigkeit.

Mit der Fifa und Syngenta sind auch zwei Vertreter mit Sitz in der Schweiz für den Schmähpreis vorgeschlagen. Die Fifa nimmt illegale Zwangsumsiedlungen in Kauf. Hunderttausende werden in den brasilianischen Städten, in denen die Spiele der Fussballweltmeisterschaft stattfinden, so ihrer Existenzgrundlage beraubt. Syngenta produziert Pestizide, die für das Massensterben von Bienen mitverantwortlich gemacht werden. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, irreführend zu werben und mit aggressivem Lobbying Druck auf politische Institutionen auszuüben.

Solchermassen Gewürdigte zeigten sich in der Vergangenheit durchaus reuig. So gab die Barclays Bank 2012 kurz nach Erhalt des Awards bekannt, sich aus der Nahrungsmittelspekulation zurückzuziehen. Auf der Website www.publiceye.ch kann noch bis am 22.  Januar 2014 abgestimmt werden.

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