Nr. 02/2014 vom 09.01.2014

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Verhinderte

Ist Fotografie neutral? Natürlich nicht. Wie voreingenommen der oder die PressefotografIn war, von dem oder der kürzlich in «20 minuten» das Bild einer Demonstration der Abtreibungsgegner um «Pro Life» abgedruckt war, wissen wir nicht, aber die Richtung ist gut erkennbar. Auf dem Transparent mit dem Slogan «Marsch fürs Läbe» war das «M» nicht sichtbar, es blieb – jawohl, der «arsch fürs Läbe». Trotzdem immer noch gegen jegliche Abtreibung zu sein, verlangt da einen gehörigen Durchhaltewillen.

Gedehnte

Der Wind, der Wind, der kann Buchstaben herbeizaubern. «Föhn beschehrt stürmische Weihnacht», titelte die Website des Schweizer Fernsehens zu einem «Tagesschau»-Beitrag. Leser D. kommentierte treffend: «Alle Spühlmaschienen stehen still!»

Gefühlvolle

«Das Inselspital reichte deshalb das Bauchgesuch für das Ersatzspital nur ‹vorsorglich› ein – und brachte eine günstigere Alternative ins Spiel», meldete der «Bund». Hauptsache, es bleibt eine Herzensangelegenheit und wird nicht zur Kopfgeburt.

Schmähliche

«Manche bewunderten den Mut des Teenagers, andere verschmähten die Aktion als anmassend und kontraproduktiv», war im «Tages-Anzeiger» zu lesen. Ja, Wörter können Bedeutungsveränderungen durchmachen. Es würde uns jedenfalls nicht wundern, demnächst überall zu hören: Du, ich verschmähe deine Haltung voll grundsätzlich.

Profitierende

«Man kann nicht simultan einem imaginären Heidiland nachtrauern und einen Platz als internationaler Handels-, Finanz- und Technologiebub verteidigen wollen», hiess es im ersten «Magazin» des Jahres. Nun ja – in die Ausbildung vom Geissenpeter hat man schliesslich einen Haufen Geld investiert.

Autonome

«Schumacher: ‹Zustand ausserordentlich ernst›», vermeldete der «Landbote» auf der Titelseite. Auch im Koma kann die Formel-1-Legende ihr Befinden immer noch selbst am besten einschätzen.

Kleinräumige

In der TV-Arena zur Beschaffung neuer Kampfjets äusserte CVP-Nationalrat Jakob Büchler, die Schweiz verfüge über «41 Quadratkilometer» Angriffsfläche, die es zu schützen gelte, weshalb es den neuen Gripen brauche. Wir rechneten: 22 neue Gripen plus 32 flugtüchtige F/A-18-Jets, also insgesamt 54 Kampfflugzeuge, das ist mehr als eines zum Schutz eines Quadratkilometers. Unseres Erachtens handelt es sich hier um einen Notwehrexzess.

Trendige

Die ästhetische Chirurgie boomt. Dazu berichtete der «Tages-Anzeiger» kürzlich: «Dank operativer Hilfe setzt sich das westliche Schönheitsideal auf der ganzen Welt durch. Südkoreanische Eltern bezahlen ihren 16-jährigen Kindern Eingriffe, die Augenlider rumpfliger und Nasen gerader machen.» Da uns das Internet zu «rumpflig» Synonyme wie knittrig, faltig oder schrumplig liefert, stellen wir erfreut fest: Endlich fertig mit dem Jugendwahn!

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