Nr. 08/2014 vom 20.02.2014

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Benachteiligte

«Möglicherweise wird die ‹préférance nationale›, die Bevorzugung der einheimischen BürgerInnen, wie sie Jean-Marie Le Pen formuliert hatte, bald Einzug in die Gesetzgebung finden.» So zitierte die WOZ den Filmemacher Jean-Stéphane Bron in WOZ Nr. 7/14. Andererseits, so scheint es, hält die buchstäbliche Gleichberechtigung bald Einzug in die welsche Grammatik und ermöglicht es den rechtspopulistischen Kreisen, uns ein a für ein e vorzumachen.

Widerspenstige

Überhaupt hatte das e in der letzten WOZ unter Diskriminierung zu leiden. So hiess es an anderer Stelle: «In Wirtschaftskrisen könnte die Idee eines EU-Beitritts bald wieder salonfähig werden.» Das ergibt zwar auch einen Sinn, gemeint waren hier jedoch die Wirtschaftskreise, denen so eine Idee ja auch ohne Krise zuzutrauen ist.

Pflanzliche

In der neusten Ausgabe von «Edito + Klartext» macht sich der Chefredaktor des Regionalfernsehens Tele 1 Gedanken über «Rückmeldungen von diversen Steakholdern der Zentralschweiz». Da eine vegane Lebenshaltung auch in der Schweizer Bevölkerung rasant um sich greift, fühlen sich diese bedroht. Zudem wird im selben Heft über den «Konkress der Verleger» berichtet, an dem nebst frischer Kresse auch manch andere rohe Köstlichkeit gereicht wurde.

Rücksichtslose

Vor diesem Hintergrund scheint uns folgende Nachricht aus dem «Velojournal» umso befremdlicher: «Seit 1995 baut Wilfried Schmidt mit velobegeisterten Mitarbeitern die SON-Nabendynamos. Passend dazu wurden Schweinwerfer entwickelt.» Dass sich ausgerechnet VeloliebhaberInnen, die doch den Ruf geniessen, in Harmonie mit Fauna und Flora leben zu wollen, zu derartigem Tun hinreissen lassen, enttäuscht.

Sachbezogene

Nach der Abstimmung, deren Namen wir in unserer Zeitung nur noch ungern erwähnen, wurde auf srf.ch der Präsident des Arbeitgeberverbands mit den Worten zitiert: «Die Emotionen haben überwiegt. Das ist zu akzeptieren.» Trotzdem ist es schade, dass die Falschen gesogen haben.

Abgefallene

Die «SonntagsZeitung» enthüllte: «Der Make-up-Artist der Stars François Nars langweilt die perfekte Schönheit.» Diese liess prompt verlauten, dass sie sich ab sofort wieder selber schminkt.

Unheimliche

Immer wieder heisst es, die Kreation künstlicher Intelligenz gerate schnell mal an ihre Grenzen, vor allem wenn es um die Nachbildung menschlichen Gefühlsreichtums gehe. Die Tücken des automatisierten Briefversands scheinen das zu bestätigen. So erhielten wir kürzlich ein höfliches Schreiben an Frau Kultur Redaktion, folgerichtig als «sehr geehrte Frau Redaktion» angesprochen. Doch in einem Mail an den Kollegen B. stand dank Wortergänzung: «Lieber Herr Boshaft». Da besagter Kollege die Liebenswürdigkeit in Person ist, könnte es sich hier um erste Anzeichen der Entwicklung unsympathischer Persönlichkeitsmerkmale im System handeln. Wir bleiben wachsam!

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