Nr. 13/2014 vom 27.03.2014

Revolten und Anarchie

In der arabischen Welt, in Spanien, Brasilien oder der Türkei – in den letzten Jahren haben weltweit Massenbewegungen gegen Regierungen revoltiert. Was für Gemeinsamkeiten haben diese Revolten? Wie lassen sie sich trotz Repression des Staats weiterführen? Diese Fragen stellen AktivistInnen von CrimethInc. Ex-Workers’ Collective auf einer Vortragstour durch Europa, und versuchen, sie aus anarchistischer Perspektive zu diskutieren. Das «Ex-ArbeiterInnen-Kollektiv», das sich seit 1996 in dezentralen Gruppen organisiert und hauptsächlich in den USA aktiv ist, ist eine der einflussreichsten anarchistischen Gruppierungen unserer Zeit.

Bekannt geworden sind CrimethInc. vor allem durch ihre radikalen Texte, kontroversen Thesen und Manuals für direkte Aktionen, die auch ausserhalb des anarchistischen Spektrums wertvolle Denkanstösse liefern. Auf der Tour, die auch ins Off in Basel führt, werden sie auch die deutsche Übersetzung ihres Buchs «Work» präsentieren, das die Rolle von Lohnarbeit – und der Arbeitsverweigerung – nach der Wirtschaftskrise diskutiert.

Basel Off, Offenburgerstrasse 59, So, 30. März 2014, 19.30 Uhr, anschliessend Diskussion.

Lärm gegen Rohstoffgipfel

Ende März findet in Lausanne der dritte internationale Commodities Summit statt, ein Rohstoffgipfel auf Einladung der «Financial Times». Wie bereits im letzten Jahr ruft ein breit abgestütztes Kollektiv zu zwei Gegenveranstaltungen auf: Das Gegenforum am Samstag thematisiert mittels Podien und Workshops schwerpunktmässig die Nahrungsmittelspekulation und bietet einen Überblick über gegenwärtig geführte Kämpfe. Am Montagabend, zur Ankunft der Teilnehmenden des Rohstoffgipfels, führt eine Demonstration von der Innenstadt zum Tagungshotel am See. Die OrganisatorInnen rufen dazu auf, Lärminstrumente mitzubringen.

Lausanne Forum: Maison de quartier de Chailly, Avenue de la Vallonnette 12, Sa, 29. März 2014, 
ab 14 Uhr. Demo: Place St-François, Mo, 31. März 2014, 
17.30 Uhr, und Nähe Bahnhof Lausanne, 18.15 Uhr.

Humor und Rassismus

«Lachen oder Klagen?»: Darf Satire alles, wie Kurt Tucholsky vor beinahe hundert Jahren geschrieben hat? Gewichten wir fremdenfeindliche Äusserungen auf der Bühne anders als im Alltag? Was hat das mit gutem oder schlechtem Humor zu tun? Wer entscheidet darüber – ein Gericht oder die empörte Öffentlichkeit?

Ausgehend von der Debatte über Blackfacing im Schweizer Fernsehen diskutieren diese Fragen Gülcan Akkaya (Vizepräsidentin Eidgenössische Kommission gegen Rassismus), Rohit Jain (Migrations- und Rassismusforscher am Ethnologischen Seminar Zürich), Alexandra Kedves (Kulturredaktorin «Tages-Anzeiger») und der Schriftsteller Thomas Meyer.

Zürich Zentrum Karl der Grosse, 
Kirchgasse 14, Fr, 28. März 2014, 19 Uhr.

Sans-Papiers-Ausstellung

Mehr als 40 000 Menschen ohne Aufenthaltsbewilligung arbeiten in Privathaushalten in der Schweiz. Ihre Arbeitsbedingungen sind prekär, sozialer Schutz fehlt, und die Angst vor einer plötzlichen Ausschaffung ist allgegenwärtig. Eine Ausstellung gibt nun Einblick in dieses Leben im Schatten: In Bern werden an verschiedenen Orten Kunstwerke präsentiert, die aus einem Wettbewerb der Kampagne «Keine Hausarbeiterin ist illegal» hervorgegangen sind. Beim Auftakt im Käfigturm melden sich KünstlerInnen, HausarbeiterInnen und ArbeitgeberInnen zu Wort, politisch, persönlich und poetisch.

Bern Käfigturm, Marktgasse 67, 
Mi, 2. April 2014, 19 Uhr.

Café Migration

Dem Alltag der Sans-Papiers nimmt sich auch das Café Migration in Zürich an. Das Café bietet einmal im Monat Gelegenheit, im gemütlichen, lockeren Rahmen mit Fachpersonen über ausgewählte Aspekte der Migration zu sprechen. Die nächste Veranstaltung trägt den Titel «Sie existieren auch ohne Papiere!». Über die fehlenden Rechte und die prekären Löhne der Sans-Papiers spricht Bea Schwager, Leiterin der Sans-Papiers-Anlaufstelle Spaz.

Zürich Solino, Schanzengraben 15 
(Eingang hinter dem Haus), Mi, 2. April 2014, 18–20 Uhr. Unkostenbeitrag 10 Franken inkl. Getränk.

Café Palestine

Die israelisch-palästinensische NGO «Alternative Information Centre» (AIC) kämpft gegen die alltägliche politische, soziale und religiöse Diskriminierung. Sie hat ihre Basis sowohl im palästinensischen Beit Sahour wie im israelischen Westjerusalem. Das AIC sammelt, analysiert und verbreitet seit dreissig Jahren Informationen über den israelisch-palästinensischen Konflikt und gibt diese weltweit an Organisationen weiter, die sich für einen gerechten Frieden und die Anerkennung der Rechte der PalästinenserInnen einsetzen. Ika Dano, die zweieinhalb Jahre lang im AIC Bethlehem gearbeitet hat, stellt an einer Veranstaltung in Zürich die Arbeit der Organisation vor.

Zürich Gemeinschaftszentrum Aussersihl/Bäckeranlage, So, 30. März 2014, 18 Uhr, palästinensisches Essen ab 17 Uhr. Bern Brasserie Lorraine, 
Mo, 31. März 2014, 19 Uhr, Essen ab 18 Uhr.

Café Décroissance

Der Autor Rodrigo Krönkvist führt in Basel in die Kapitalismuskritik der Décroissance-Bewegung ein. Dabei geht er folgenden Fragen nach: Warum ist die Wachstumskritik die wohl radikalste Kapitalismuskritik? Weshalb offeriert Décroissance so viele Antworten auf die Probleme der gegenwärtigen multiplen Krise? Und was hat George Orwells Slogan «2 + 2 = 5» aus seinem Roman «1984» damit zu tun? Anschliessend Diskussion.

Basel Gemeinschaftsraum Klybeckstrasse 247 (oberhalb Neues Kino), Fr, 28. März 2014, 19.30 Uhr.

Intervenieren lernen

Eine Veranstaltungsreihe der Zürcher Hochschule der Künste versucht auszuloten, in welchem Verhältnis ästhetische und gesellschaftliche Bedingungen einer emanzipatorischen Praxis stehen. Als Nächste zu Gast sind Tim Zulauf/KMUProduktionen: Ihre Arbeiten gehen davon aus, dass eine Veränderung des Mitfühlvermögens ein Abstandnehmen vom Eigenen erfordert: In losen Gruppenverbänden werden deshalb die Arbeitsidentitäten der Mitwirkenden als Schreibende, Spielende et cetera aufgelöst. So verschieben sich stereotype Vorstellungen, etwa über die Sexarbeit oder bettelnde Roma.

Zürich, Atelier Tim Zulauf/KMUProduktionen, Magnusstrasse 5, Mi, 2. April 2014, 19 Uhr.

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