Nr. 20/2014 vom 15.05.2014

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Abgefahrene

«Ein Zug mit einem kostenlosen literarischen Angebot gibt es in Europa wohl nur einmal – zwischen Zürich und Linthal», berichtet die NZZ, aber ganz bis zum Schluss mitgefahren ist sie offenbar nicht; schade, denn zwischen Mitlödi und Schwanden wird jeweils der Akkusativ durchgenommen.
Jürg Fischer

Unverdächtige

Auch der «Bund» hätte vielleicht besser auf das obige Züglein aufsitzen sollen. In Bern wird aufgrund eines geplanten Vorstosses im Stadtparlament derzeit die Frage diskutiert, ob der Name der Berner «Zunft zum Mohren» einen rassistischen Hintergrund habe; dazu zitiert die Zeitung den Zunftmeister: «Der Name habe sich die Zunft zudem gar nicht selber ausgedacht.» Wir verstehen das so: Normalerweise ist Nomen Omen, hier aber nur Schall und Rauch, schliesslich hat sich die Zunft sich selber ausgedacht, hoffentlich ohne rassistischen Beigeschmack.
Jürg Fischer

Commandierende

Die Londoner Ingenieurin Sarah Springman, die als neue ETH-Rektorin vorgeschlagen wird, ist auch eine leidenschaftliche Triathletin. Dazu meldete der «Tages-Anzeiger»: «2012 erhielt sie für ihre Verdienste für die Sportart den ‹Commander of the Britisch Empire› verliehen. Von der Queen persönlich.» Von uns gibts dazu den Orden für Denglisch Rightschreibing.
Jürg Fischer

Dargestellte

Zu unserem Vergnügen erhalten wir auch häufig Hinweise auf Bilder, doch unsere Möglichkeiten, Sie daran teilhaben zu lassen, sind leider beschränkt. Wer zum Beispiel die Abbildung auf der Frontseite des «Tages-Anzeigers» vom 6. Mai («Perfekte Tarnung») mit jener auf Seite 5 der Ausgabe vom 7. Mai («Abfangjäger über Basel») vergleicht, wird feststellen, dass der Schweizer «Chef Einsatz der Luftwaffe» zweifellos für eine der beliebten «lebensechten Silikonmasken» Modell stand. Vielleicht sieht der Mann aber in Wirklichkeit auch ganz anders aus und trägt die Maske zu Bürozeiten, damit er ein bisschen Abwechslung hat.
Karin Hoffsten

Dargestellte II

Ebenfalls mit Bildern belegte der «Blick am Abend» einen Test, der zeigen soll, «ob jemand dem gängigen Schönheitsideal entspricht»: «Man braucht sich ganz einfach den Mittelfinger auf die Nasenspitze und das Kinn zu legen. Wenn die Lippen dabei den Finger berühren, hat man Glück gehabt.» Jenen, die sich nun mit ihrem Mittelfinger abmühen, sei gesagt, dass die Personen auf beiden Fotos den Zeigefinger benützen. Wir lernen: Der Finger direkt neben dem Daumen heisst Zeigefinger! Und noch ein kleiner Tipp: Mit etwas Drücken wird jedeR schön.
Karin Hoffsten

Dargestellte III

Hohe Ansprüche an unsere geistige Beweglichkeit stellt wie immer die NZZ. Auf einem Foto wirbelt ein leicht übergewichtiger Mann ein Kind im Spiel durch die Luft, die Bildlegende dazu lautet: «Frauen-Sektionen bürgerlicher Parteien fordern die Mutterparteien mit gesellschaftlichen Fragen heraus.» Wir formulieren sie: Wo ist die Mutter? Ernährt sich der Vater falsch, weil sie fehlt? Ist das überhaupt der Vater? Falls nein: Wo war Anita Chaaban? Wars dem Kind hinterher schlecht? Den bürgerlichen Frauen wünschen wir viel Freude beim Antworten!
Karin Hoffsten

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