Nr. 26/2014 vom 26.06.2014

Von Jürg Fischer

Augenscheinliche

Buchstabenabsenzen sind ein häufiges Problem, neuerdings auch ein medizinisches: «Die Kantone sollen neue Praxen ausländischer Augenärzte und anderer Spezialisten dauerhaft verindern können», schrieb der «Tages-Anzeiger». So haben wir uns die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative nicht vorgestellt. Doch Hauptsache, man will die Praxen nicht verrussen oder gar umpolen.

Verschüchterte

Neuer Sinn durch Buchstabenunterdrückung, das kann auch die Basel-Stadt-Ausgabe der «Basellandschaftlichen Zeitung»: «Jahrelang wurde die Scope in Basel herumgescheut, war heimatlos.» Gescheut wird die Kunstveranstalterin Scope wohl von Basels Behörden, die nichts weiter zu tun bräuchten, als mutig die Bedingungen für Zwischennutzungen zu regeln.

Hochverdienende I

Manche Buchstaben sind aber plötzlich da, wo sie sonst nicht sind: «Die Schweizer Nationalmannschaft tritt heute gegen den haushochen Favoriten Frankreich an» («Tages-Anzeiger online»). Wenn schon die Medien in der dialektischen Provinzliga spielen, wie sieht das erst auf dem Spielfeld in Brasilien aus?

Hochverdienende II

Nach der turmhohen Niederlage gegen Frankreich wurden in vielen Kommentaren die Selbstüberschätzung und die Hilflosigkeit der Schweizer Fussballer kritisiert. Ein bisschen zu einseitig, meinen wir, denn sie haben durchaus Ideen, wie man es anders machen könnte. So sprach der Schweizer Captain Gökhan Inler kurz nach dem Match ins Mikrofon: «Wir müssen unsere Fehler besser machen.» Ja, eine perfektionierte Fehlerkultur, das macht uns keine der grossen Fussballnationen so schnell nach.

Hochverdienende III

Das Drama der ungleichen Spiesse war schon anhand der Berichterstattung des Schweiz-Frankreich-Spiels am Schweizer Fernsehen zu erahnen. Noch bevor das erste Tor fiel, liess sich Reporter Sascha Ruefer so vernehmen: «Der erste Abschluss, der mit Gefahr gesegnet war.» Leider nicht Ruefers erste Formulierung, die mit Nonsens gesegnet war.

Hochverdienende IV

Das Besondere der Fussballberichterstattung am Schweizer Fernsehen ist, dass die Sendeanstalt gleich über mehrere Reporter verfügt, die einigermassen zuverlässig über Bilder stolpern oder sich in alltagsphilosophischen Erkenntnissen üben. So sagte Kommentator Dani Kern während des Spiels Uruguay – England zuerst: «Wenn man einmal kein Glück hat, kommt auch noch Pech dazu», um kurz darauf zu frohlocken: «Die Schranke ist gefallen, Halleluja!» Als Fan heisst es aufpassen, dass man nicht ungebremst in selbige Schranke prallt. Doch dieser Krug geht wohl noch lange zum Brunnen.

Ungefähre

«Als ich am Mittwoch nach Zürich flog, schaute ich mir im Flugzeug ‹Twelve Years a Slave› an. Und ich konnte es nicht glauben. Das ist erst fünfzig Jahre her.» So gab die «SonntagsZeitung» eine Interviewpartnerin wieder. Das können wir auch nicht glauben, auch wenn wir den Amis schon das eine oder andere zutrauen. Der Film handelt von der Sklaverei vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, also von Ereignissen, die mehr als 150 Jahre her sind. So oder so war die «SonntagsZeitung» sicher nicht dabei.

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