Nr. 32/2014 vom 07.08.2014

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Gleichberechtigte

Die Zahl der Briefe, in denen uns zornig die Verwendung des Binnen-Is vorgeworfen wird, hat zwar signifikant abgenommen. Dennoch scheint uns das östliche Nachbarland in dieser Hinsicht weit voraus: Kollegin D. belegte kürzlich mit einer Quittung, dass in der Wiener Drahtgasse für 10,50 Euro ein «ChefIn Salat» serviert wird. Hier kocht die FeministIn!

Hergeleitete

Überhaupt kann ja, wer reist, bekanntlich was erleben. Für den «Tages-Anzeiger» erfüllt sich in dieser Woche ein Journalist seinen Jugendtraum und blocht mit dem Töffli über die «Achsenstrasse». Doch wie sich das Töffli nicht «Puch Machsi», sondern «Puch Maxi» nennt (wer erinnert sich nicht?), heisst es eben auch Axenstrasse. Andere Erklärungen zur Namensherkunft – die herausfordernde Strecke erfordere das Mitführen eines Deodorants (Axe!) oder sei im 18. Jahrhundert mit britischen Äxten aus dem Fels geschlagen worden – müssen jedoch ins Reich der Fantasie verwiesen werden.

Rückwärtsgewandte

Die Sauregurkenzeit neigt sich ihrem Ende zu. Weil der Ausdruck aus Zeiten stammt, als im Hochsommer noch reife Gurken in Essig eingelegt wurden, schlagen wir ersatzweise «Füdlizeit» vor, denn der Boulevard ist derzeit besessen vom weiblichen Gesäss. So hiess es im «Blick am Abend» über Michelle Hunzikers Karriere: «Ihr Po schlug ein wie eine Bombe, Hunziker ergatterte Model- und Moderationsjobs.» Nach einem Arsch, der fünf Sprachen spricht, muss man schliesslich lange suchen!

Rückwärtsgewandte II

Natürlich macht Tochter «Auroras knackige Kehrseite dem berühmten Po ihrer Mutter Konkurrenz» («Blick am Abend»), und die «Schweizer Illustrierte» kennt bereits die Gewinnerin, wenn auch nicht jede grammatikalische und orthografische Feinheit: «Aurora (…) sieht um einiges eleganter aus wie die Mama. Gepaart mit einer klassischen Sonnebrille und einer simplen Kette macht sie eine gute Figur.» Vermutlich erhofft sich die Siebzehnjährige für ihr Leben eine andere Paarung.

Anthropozentrische

«Gerade der Primat der Ökonomie half Japan bei der Sicherung seines langfristigen Engagements in der Region»: Als wir dies in der NZZ lasen, freuten wir uns und stellten uns einen ökonomischen Gorilla vor. Doch wir hatten die Rechnung ohne den Duden gemacht, der für den Begriff «Primat» in seiner nicht biologischen Bedeutung die sächliche wie die männliche Form zulässt. Nun sind wir es, die der Affe laust.

Haustierische

«Immer mehr Bauern besuchen die Hundeschule», titelte die «Neue Luzerner Zeitung», und wir schüttelten zuerst den Kopf, um nachher Zuversicht zu schöpfen. Denn wir hatten schon geglaubt, das Bauern sei für die Katz.

Konsequente

Der «Tages-Anzeiger» lässt sich nicht beirren: «Die Solothurner Triathletin Daniel Ryf gewann in Zürich den Ironman Switzerland.» Auch wenn da ein paar Frauen mitmachen, heisst es schliesslich immer noch Ironman und nicht Ironwoman!

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