Nr. 40/2014 vom 02.10.2014

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Brünstige

«Wer den Hirsch beim Röhren stört, der dort in den Föhren röhrt, dem schlag ich meine Möhren achtkantig um die Ohren», dichtete weiland Robert Gernhardt. Auch für die Bündner Hochjagd gilt ein Bussenkatalog, den das «St. Galler Tagblatt» auszugsweise wiedergab: «Wer eine zeugende Hirschkuh schiesst, zahlt 150 Franken Busse.» Da sieht man, die Redaktion ist mit der Tierwelt nicht allzu vertraut, deshalb: Wer das Zeugen mit dem Säugen verwechselt, kommt ungeschoren davon, landet aber in dieser Rubrik.

Überholte

Es stand in der WOZ-Bildungsbeilage, und niemand weiss genau, wie es da hingekommen ist: «Doch überkommen geglaubte Geschichtsbilder halten sich mitunter lange.» Als habe man nur geglaubt, die Mythen von Rütlischwur und Sempach seien über Generationen tradierte Geschichtsbilder, stattdessen seien sie im Labor erzeugt worden. Vermutlich lags am Titel der Beilage: «Geschichte wird gemacht».

Physiognomische

Nach dem letzten Sonntagabendkrimi zog der «Tages-Anzeiger» das Fazit: «Dieser ‹Tatort› war quasi ein Transvestit. Er hatte lange Augenbrauen, mit denen er gar heftig klimperte, und ein heiseres Timbre.» Interessant. Und verwirrend. Denn klimpern tut der oder die Deutsche normalerweise mit den Wimpern. Doch wer kennt schon die verschrobenen Sitten unter Dragqueens.

Versöhnliche

Hymnisch besang die gleiche Zeitung eine TV-Serie: «Es ist ein faszinierendes Gedankenexperiment, das hier durchgeführt wird, eine Mediation über Verlust, Trauer und Vergänglichkeit.» Wurde ja auch Zeit, dass die drei wieder mal gemeinsam um einen Tisch sitzen.

Bunte

Für die Eidgenössische Jugendsession beteiligt sich auch Nationalrätin Doris Fiala als rot gekleidete Pizzakurierin an der Imagekampagne «Politiker übernehmen deinen Job, damit du ihren machen kannst». In «20 Minuten» teilte man die umtriebige FDP-Politikerin kurzerhand der SP zu, was daran liegen könnte, dass sich FDP-ExponentInnen eher selten bei sozialen Aktionen tummeln. WOZ-Leser S. hingegen ist sich sicher, dass Fiala auf dem Foto zwar rot, die zuständigen JournalistInnen aber gerade blau waren.

Meditative

Auf onlinereports.ch war zu lesen: «Die Pluralform von Zukunft heisst Zukünfte. Es kann nach Duden also mehr als eine eben.» Eben. Oder? Doch. Eine davon trifft jedenfalls sicher ein. Drum fahren wir in unserm philosophischen Exkurs fort, indem wir einen Blick auf kult.ch werfen, wo ein Blogger feststellt: «Oberstes Ziel einer Spezies ist die Arterhaltung. Das bedingt, dass man für Nackommen sorgt – und genau dafür ist Sex nunmal da.» Ja, es ist, wie es ist. Unsere Nackommen werdens uns danken!

Überholungsbedürftige

Blocher.ch warnt, es könne «wegen Wartungsarbeiten zwischen 23:00 und 1:00 zu kurzen Unterbrüchen kommen». Wen wunderts.

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