Nr. 48/2014 vom 27.11.2014

Von Karin Hoffsten

Gute

Aufgrund des Abstimmungsverhaltens unserer NationalrätInnen stellte Politologe Michael Hermann für die NZZ das jährliche Parteienrating zusammen, dessen Skala von –10 («links») bis +10 («rechts») reicht. Mit +9,9 besetzt Pirmin Schwander (SVP) die Spitze, während sich Susanne Leutenegger Oberholzer und Carlo Sommaruga, beide SP, auf dem Minimum von –9,4 drängeln. Nun wollen wir nicht überempfindlich sein und der Ansiedlung der Linken im Minusbereich manipulative Absichten unterstellen. Im Gegenteil – wir sehen das wie die Auswertung beim Aidstest: Da ist positiv auch ganz schlecht!

Bessere

In der letzten WOZ erweiterten wir die Parteienlandschaft um eine bis anhin unbekannte «Alternative Linke», die jedoch unter dem Decknamen «Alternative Liste» schon lange in Zürich operiert und sogar einen Vertreter in den dortigen Stadtrat einschleusen konnte. Gelänge es dieser Partei einmal, auf nationaler Ebene zu wirken, fiele das NZZ-Rating wohl noch negativer aus. In diesem Fall sollten Sie einfach wieder an den symbolischen Aidstest denken und sich freuen!

Verträumte

Karin Keller-Sutter, als St. Galler Ständerätin vom Rating leider nicht erfasst, sagte im Parlament: «Das Verkaufen von Bankkundendaten zur Erzielung eines Gewinns ist besonders verwerflich, da das Vertrauen des Kunden in die Bank damit missbraucht wird.» Unseres Wissens existiert da kaum etwas, das noch missbraucht werden könnte, zumal dieser Erwerbszweig durch die Einführung des automatischen Informationsaustauschs (AIA) obsolet wird. Doch weil nicht alle Länder das Abkommen zum AIA unterzeichnen werden, ist Frau K.-S. sicher, dass es auch «weiterhin zum Diebstahl von Bankkundendaten kommen kann». Dass die Nichtunterzeichner für so eine Daten-CD gross Kohle rausrücken werden, wagen wir zu bezweifeln.

Wirtschaftliche

Wie an jedem Werktag berichtete «Der Bund» auch kürzlich über das Wetter. Unter der Warnkarte, die in gewissen Bergregionen Böen mit Windgeschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometern verhiess, lasen wir: «$$$$ $$$ $$$$$$ $$$ $$$$$$ $$$$ $$. $$$$ $$$ $$$$$$ $$$ $$$$$$ $$$$ $$.» Vermutlich eine verschlüsselte Übersicht für jene, die dank Behebung der Sturmschäden mit Mehreinnahmen rechnen dürfen.

Lernwillige

Die Weiterbildungsveranstaltung «Sterben für Anfänger», organisiert von «palliative zentralschweiz», haben wir leider versäumt, wobei wir unter diesem Titel eher einen Workshop von Exit erwartet hätten. Jetzt reservieren wir aber schon mal vorsorglich ein paar Plätze beim «Sterben für Fortgeschrittene».

Irritierende

Mit der Meldung «Führerflucht in Rapperswil» jagte uns die NZZ einen Schrecken ein, rechneten wir doch im ersten Moment mit einem politischen Umsturz in der beschaulichen St. Galler Gemeinde am Zürichseeufer. Doch laut Duden sitzt der Führer in der Schweiz nicht im Hauptquartier, sondern hinter dem Steuer. Was hierzulande sprachlich losgewesen wäre, hätte während des Zweiten Weltkriegs bereits ein Verkehrschaos geherrscht wie heute, wollen wir uns lieber nicht vorstellen.

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