Nr. 10/2015 vom 05.03.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Gesunde

Funktionelle Lebensmittel sind im Trend. Die Margarine «ColBalance vital» verspricht, mit Pflanzensterinen einen hohen Cholesterinwert zu senken, der als Risikofaktor für koronare Herzerkrankungen gilt. Doch auch ein solches Versprechen birgt Risiken. Darum heissts auf der Packung: «Die koronare Herzerkrankung ist durch mehrere Risikofaktoren bedingt. Die Veränderung eines dieser Risikofaktoren kann eine positive Wirkung haben oder auch nicht.» Kräht der Hahn frühmorgens auf dem Mist, ändert sich das Wetter, oder es bleibt, wie es ist.
Karin Hoffsten

Abgewohnte

Laut Todesanzeige in einer grossen Tageszeitung ist kürzlich eine Hochbetagte «in eine ewige Wohnung voller Freude gezügelt». Wir wünschen der Betreffenden, dass die Räume vor ihrem Einzug wenigstens ein bisschen renoviert worden sind.
Karin Hoffsten

Saubergewischte

«Illegale Putzfrau: Hans Fehr geht straffrei aus», meldete der «Tages-Anzeiger». So weit, so erwartbar. Die Öffentlichkeit konnte ja nicht im Ernst denken, dass Fehr vorsätzlich oder eventualvorsätzlich gehandelt hatte. Dass die Putzfrau durch obige Formulierung nicht straffrei ist, sondern illegal, steht in einem anderen Blatt.
Jürg Fischer

Hortikulturelle

«Er wolle kein Garten wie ein ‹Heiri Bünzli›, darum die subtropischen Pflanzen», zitierte das «Tagblatt der Stadt Zürich» einen Bewohner von Zürich Wipkingen. Das Tagblatt wiederum will keine Grammatik wie du und ich; darum die exotische Ausdrucksweise.
Jürg Fischer

Rinderwahnsinnige

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen, zum Beispiel der Reporter der NZZ, der quer durch Kanada reiste: «Nach Winnipeg breitet sich tagelang nur noch einsame, endlose, mit Kühen kontaminierte Prärie links und rechts der Strasse aus.» Eine kuhfreie Aussicht wäre zwar sauberer gewesen. Doch heute, wo der Befall mit Rindviechern nicht nur in Kanada, sondern weltweit eine immer grössere Herausforderung darstellt, soll auch der Präriebesucher nicht geschont werden.
Jürg Fischer

Geheimniskrämerische

«Hard Rock war damals unter uns Kantonsschülern politisch unkorrekt. Alle haben es gehört, aber niemand hat es zugegeben. Ähnlich ist es heute mit der Weltwoche», hat Roger Köppel laut bluewin.ch gesagt, nachdem sich der frischgebackene Nationalratskandidat bei den Swiss Awards als Rocker inszeniert hatte. Es stimmt, dass wir nicht unbedingt zugeben würden, die «Weltwoche» zu lesen. Aber von damaligem Hardrockhören kann keine Rede sein. Herr Köppel muss sich verhört haben.
Jürg Fischer

Hasardierende

Der Tourismus in der Schweiz muss sich nach der Decke strecken. Wenn die ausländischen Gäste ausbleiben, ist es sicher kein Fehler, inländische zu umwerben. Das hat sich auch Crans-Montana gesagt und sein Faltblatt mit den Wintersportangeboten auf Deutsch übersetzen lassen – von einem Computerprogramm. Dass dadurch ein «Journalier», was normalerweise eine Tageskarte bedeutet, zum «Tagelöhner» wird und ein «Forfait 4 heures» (Halbtageskarte) zu «Verbrechen 4 Stunden», ist halt Pech. Oder vielleicht Glück, wenn es wenigstens die KriminaltouristInnen anzieht.
Jürg Fischer

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