Nr. 13/2015 vom 26.03.2015

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Verwirrende

Auch Blogs landen inzwischen in der Zeitung, und das ist meistens gut so. Dumm nur, wenn das, was im Blog locker korrigiert werden konnte, für immer auf Papier steht, zum Beispiel auf jenem des «Tages-Anzeigers»: «Der Journalist wird im Restaurant einen Tick zu nachlässig bedient: Ein Verriss wird diesen Kellnern Anstand lehren.» Falls sich nur ein Kellner schlampig gezeigt hat, ist auch nur ein n überflüssig, sollten alle geschludert haben, sind es deren zwei. Nun könnte die Erwähnung in dieser Rubrik den Schreibenden ja ein bisschen Grammatik lehren, doch bekommt der dann zwei n, obwohl er nur einer ist. Das verstehe, wer will? Hat ja auch niemand behauptet, es sei einfach.

Verirrte

Auch in der «NZZ am Sonntag» erwies sich ein kleines «n» als Stolperstein, diesmal allerdings durch sein Fehlen: «Vor lauter Opfer gehen uns bald die Täter aus.» Damit es nicht grammatikalisch zu weiteren Opfern kommt, rufen Sie im Zweifelsfall am besten mal ganz laut, dass Sie vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen.

Fahrtüchtige

Ebenfalls in der «NZZ am Sonntag» stand, was alle, die sich für Tierrechte einsetzen, mit Befriedigung gelesen haben dürften: «Im Sommer 2013 gelangten die ersten Tigermücken über die Autobahn in die Deutschschweiz.» Es heisst, die meisten Tigermücken erhalten schon im ersten Anlauf ihren Fahrausweis und gelten am Steuer als ausgesprochen sicher.

Strenge

Allerdings gibt es Gattungen, deren wachsende Selbstsicherheit zum Problem werden kann. So berichtete «20 Minuten», dass eine deutsche Rentnerin 2010 einem Haiangriff zum Opfer gefallen sei: «Ein Ozeanischer Weissspitzenhai hatte sie beim Schnorcheln erwischt und tödlich verletzt.» Auch unter Weissspitzenhaien sollte bei Gelegenheit die Frage nach angemessenen Strafmassnahmen diskutiert werden.

Gegenteilige

Im «Tages-Anzeiger» hiess es: «Kip Anderson zeigt, wie er monatelang versucht, von zahlreichen Umweltschutzorganisationen eine Antwort auf seine einfache Frage zu bekommen: Weshalb sie den Fleischverzicht nicht thematisieren, wo der doch erwiesenermassen einen desaströsen Effekt auf die Natur hat. Seine E-Mails bleiben allesamt unbeantwortet.» Ist doch kein Wunder, wenn er so gefragt hat.

Gemeine

Die gleiche Tageszeitung warb im Fernsehprogramm für einen Film: «Fünf Freunde Anfang 60 (…) haben Angst vor der Einsamkeit und wollen ihrem Leben noch einmal einen neuen Dreh geben. Fröhlich, wenn auch ein wenig naiv, gründet das Quartett eine Wohngemeinschaft.» Da wird doch tatsächlich einer schon gemobbt, bevor er überhaupt zum ersten Mal das Klo nicht geputzt hat.

Brutale

Aus derselben Quelle stammt folgende Meldung: «Er war als Hau-selektriker angestellt. In dieser Zeit trug er seinen Konfirmationsanzug das letzte Mal (…)» Offenbar wird auch in schlagenden Berufen ein gepflegtes Auftreten geschätzt.

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