Nr. 17/2015 vom 23.04.2015

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Grüne und gelbe

Wie jeden Montag listete «20 Minuten» auch am vorletzten Montag stolz «Schweizer Fussballer in ausländischen Ligen» auf. Dazu gehört nicht zuletzt Granit Xhaka von Borussia Mönchengladbach, den man denn auch als «Taktgeber und Dauerläufer» gegen Dortmund im Bild zeigen wollte. Allerdings sah man auf dem Foto weder Xhaka noch einen Dortmunder Gegenspieler, sondern Stéphane Besle vom FC St. Gallen im Zweikampf gegen Guillaume Hoarau von den Berner Young Boys. Das finden Sie jetzt komplett uninteressant? Dann müssen wir leider annehmen, dass nicht nur der verantwortliche Redaktor bei «20 Minuten», sondern auch Sie Fussballmannschaften nur anhand der Trikotfarbe auseinanderhalten können.

Erschreckende

Die «NZZ am Sonntag» geriet ins Schwärmen: «Ja, dieses Cabrio ist ein schönes, da sich – ganz Understatement – auf den zweiten Blick hübsche Details offenbaren, die man schlicht als sexy bezeichnen darf. Aber es ist nicht eine Schönheit, die gefällig und lieblich sein will. (…) Schaut man sich etwa die LED-animierten Frontlichter an, denkt man bei dem martialischen Augenaufschlag dieses Modells schnell an das markante Gesicht von Jack Nicholson in ‹Shining› – dieses hat dem Schauspieler nie geschadet.» Uns packt ja beim Gedanken, so ein BMW M4 Cabrio gehe gleich mit der Axt auf uns los, eisiges Grauen. Aber wir sind halt auch autosensibel.

Fantasievolle

Das «Tagblatt der Stadt Zürich» wiederum zeigte sich weltläufig: «Die Sängerin passt mit ihrem zierlichen Charme und den melancholischen Melodien so gar nicht in das Klischee der grobschlächtigen Neuseeländer und ihrer rauen, unverzeihlichen Landschaft. Ihre Musik aber reisst selbst hartgesottene Blokes und Gals aus dem Sessel – und rührt noch manchen zu Tränen.» Hoffentlich verzeiht es die raue Landschaft, wenn sich auch noch ein paar Orks und Hobbits unters Publikum mischen.

Narzisstische

«Diese Woche verbot Prinz Harry einem Fan, ein Foto mit ihm zu machen, weil er Selfies blöd finde», schrieb die «SonntagsZeitung» und konstatierte: «Harry war schon immer cool.» Wieso cool? Wer sogar nackt so oft fremdgeknipst wird, braucht sicher keine Selfies.

Erfolgreiche

Sowohl «SonntagsZeitung» als auch «NZZ am Sonntag» war es der Erwähnung wert, dass in der WOZ ein Wahlinserat des Zürcher SVP-Regierungsrats Markus Kägi erschien, nachdem er bereits gewählt war. Dass unsere Inserate auch in der Sonntagspresse eine derart hohe Beachtung finden, freut uns ausserordentlich – im heiss umkämpften Markt ist Aufmerksamkeit schliesslich alles!

Führergeburtstägliche

Mit dem Datum, an dem Magdalena Martullo-Blocher ihre Nationalratskandidatur verkündete, gings uns ein bisschen wie Günter Grass mit seinem ersten Hochzeitstermin. Die «SonntagsZeitung» zitierte: «Ein Tag im April wurde festgesetzt. Ich war gegen den zwanzigsten, doch mein zukünftiger Schwiegervater befand, für ihn als Schweizer sei dieser Tag, so belastet man ihn in Deutschland empfinden möge, ohne politische Nebenbedeutung (…)». Aber feinfühlig, wie wir sind, wollen wir damit sicher nichts andeuten.

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