Nr. 19/2015 vom 07.05.2015

Alemannische

Die Deutschen stehen nicht nur im Verdacht, uns die Arbeitsplätze wegzuschnappen, nein, sie kassieren dank Eurobaisse in Grenznähe auch noch gross ab und machen unserem Gewerbe das Leben schwer. Doch «die Deutschen» gibt es nicht, unser Nachbarland wird bevölkert von steifen Preussen, fröhlichen Rheinländern und sparsamen Schwaben, um nur einige der Stämme zu nennen. Diesem Umstand wollte auch die NZZ mit dem Titel «Das Internet staut sich im Schwabenland» Rechnung tragen; dabei ging es aber um die Paketdepotstellen entlang der deutsch-schweizerischen Grenze, also, wie uns unser Konstanzer Kollege W. versichert, um rein badisches Gebiet, und BadenserInnen wollen nun mal nicht für SchwäbInnen gehalten werden. Denn wie heisst der Slogan? «Es gibt Badische und Unsymbadische.»
Jürg Fischer

Dyskalkulierte

Ebenfalls von der Grenzfront meldet der «Blick»: «Von Januar bis März 2015 wurden 25 Prozent mehr Ausfuhrbescheinigungen abgestempelt als im Vorjahresquartal. Die Zahl der grünen Zettel nahm gar von 1,2 Millionen auf 1,5 Millionen zu.» Macht zusammen glatte 50 Prozent. Krass!
Jürg Fischer

Schwimmkünstlerische

Es gibt kaum ein medienfreundlicheres Thema als Hochwasser, die Berichterstattung kann sich geradezu darin suhlen. So weiss der Experte auf «Tages-Anzeiger Online»: «Ab heute Nachmittag soll es wieder regnen, teilweise heftig. Für die Pegel der Gewässer heisst das nichts Gutes (…).» Darüber wundert sich derweil der Laie. Wenn ihm nicht schon das Wasser bis zum Hals steht.
Jürg Fischer

Starke

Kürzlich titelte der «Tages-Anzeiger»: «Aggressive Gäste fordern Türsteher», was wir begrüssen. Immer auf die Kleinen loszugehen, empfinden wir nämlich als ungerecht, und so ein Türsteher ist wenigstens einigermassen trainiert.
Karin Hoffsten

Überhitzte

Dieselbe Zeitung warnte vor dem Risiko klimatischer Extremereignisse: «Dieses würde gemäss neuer Studie deutlich steigen, wenn es wärmer als 2 Grad würde.» Folglich gehts jetzt nur noch um eines: Kühlen, kühlen, kühlen!
Karin Hoffsten

Gelassene

Die ZfU International Business School («Lernen als Weg») bietet eine «Resilienz- und Achtsamkeitstagung für Führungskräfte» an. In der Einladung heisst es: «Im Rom des ersten Jahrhunderts nach Christus herrscht Umbruch, Willkür und Bürgerkrieg», sie endet mit dem Satz: «Trotz befohlenem Freitod sagt man, Seneca sei gelassen gestorben.» Angesichts der ehrgeizigen Zielvorgabe legen wir die Tagung manch zeitgenössischer Führungskraft ans Herz.
Karin Hoffsten

Tiefgründige

Zum letzten Dortmunder «Tatort» schrieb ein «taz»-Blogger: «Die herbeigeeilte Gerichtsmedizinerin stellt schon beim Hereinkommen ein irreversibles Koma bei dem Opfer fest – er wird es nicht überlegen.» Hier wird nicht nur subtil die Schwierigkeit thematisiert, männlichen Opfern das richtige Genus zuzuweisen, sondern auch der immer noch lückenhafte Wissensstand hinsichtlich des Bewusstheitsgrads von KomapatientInnen.
Karin Hoffsten

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