Nr. 25/2015 vom 18.06.2015

Von Karin HoffstenMail an AutorIn und Jürg Fischer

Umgerechnete

Zum Glück hatte der Service public am Sonntagabend die Abstimmungshürde schon hinter sich, sonst hätte ihn die Sendung «Meteo» wohl noch ein paar Stimmen mehr gekostet, zumindest jene des zahlenaffinen Publikums. Moderatorin Daniela Schmuki, auch bekannt als die Trudi Gerster der Wettervorhersage, erzählte: «In Güttinge am Bodesee isch innerhalb vo einere Stund 55 Millimeter Niederschlag zamme cho, also e halbe Meter, das heisst, mer isch denn zimli schnell emol knöchel- oder knütief im Wasser inne.» Wegen irreführender Aussagen über die Unterschenkellänge ihrer Bevölkerung erwägt die Gemeinde Güttingen eine Beschwerde beim Ombudsmann.
Karin Hoffsten

Vermehrte

Um für ein Nein zum RTVG zu werben, pries Dominik Kaiser, Chef der TV-Gruppe 3 Plus, vor der Abstimmung in der NZZ die segensreichen Dienstleistungen des Privatfernsehens: «Durch unsere Sendung ‹Bauer, ledig, sucht!› haben wir unzählige glückliche Paare zusammengebracht. Vierzehn Paare haben gar geheiratet, und 17 Babys sind zur Welt gekommen. Gibt es stärkere Beweise für den Service-public-Charakter einer Sendung? Die Nachhaltigkeit ist offensichtlich.» Leider fehlte der Nachweis, dass es in allen Sprachregionen zu Befruchtungen kam.
Karin Hoffsten

Ausgepowerte

Nach einem Stromausfall in der Stadt Zürich bildete «Tages-Anzeiger Online» eine Steckdose ab und textete: «Darasu kam an der Basler- und Bristenstrasse am Montagmorgen gar nicht.» Danahc war auch der Akku leer.
Jürg Fischer

Offensichtliche

«Im Schmidhaus an der Weissensteinstrasse wohnen vor allem Drogensüchtige. Doch auch sie stören sich ob den teilweise fehlenden Türen», schrieb der «Bund». Dahinter steckt das leicht antiquierte Bild von Drogensüchtigen: Die Tür muss nicht zu sein, zu sind wir selber.
Jürg Fischer

Polyethische

Am Tag nach dem Bachabgehen der nationalen Erbschaftssteuer interpretierte die NZZ diese im Kommentar ein abschliessendes Mal als Ausdruck von Neid. In derselben Ausgabe berichtete die NZZ von einem Treffen des liberalen Weltverbands. Da habe es Differenzen gegeben zur Frage, was liberal sei, aber als «grössten gemeinsamen Nenner» habe man die Idee der «sieben Sünden», wie Gandhi sie formulierte, genannt. Deren erste: «Reichtum ohne Arbeit». Als achte Sünde könnte Herr Gandhi heute ergänzen: Inkonsequenz.
Jürg Fischer

Secondäre

Kürzlich auf einer Pizzaschachtel gelesen: «Ciao Ragazzi! Bestelle dine Pizza de negschte male grad oneline! wuwuwu.dieci.ch ische vile schneller.» Wir entschieden uns dann für ein Menü vom Thai-Takeaway.
Jürg Fischer

Eindringliche

Der Verein Bürger für Bürger wird nicht müde, uns vor den Gefahren des Lehrplans 21 zu warnen. Unter dem Betreff «Ideologisch gefärbten Unterricht» erreichte uns jetzt der Hinweis: «Sofort fallen der Mangel an fest definierten Lernzielen auf.» Gerne ergänzen wir, dass auch unsere bewährten, fest definierten Lernziele nur zielführend sind, wenn sie erreicht werden.
Karin Hoffsten

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