Nr. 33/2015 vom 13.08.2015

Von Jürg Fischer

Ausgestattete

Einmal im Leben einen Bentley Probe fahren, was die «SonntagsZeitung» durfte, davon können wir nur träumen. Davon wird man nämlich so high, dass das Formulieren wie von selber geht: «Der Fahrgastraum besticht durch höchste Qualität der Materialien und perfekte Verarbeitung, egal, wohin das Auge fällt. Allfällige Allüren einer hochgezüchteten Kraftmaschine sind Bentleys jedoch fremd. Trotz seiner absoluten Sportwagenperformance ist es daher ein Leichtes, ohne Anfechtungen in der Innenstadt dahinzurollen.» Gegen Aufpreis und für den unwahrscheinlichen Fall von Anfechtungen auch mit Scheibenwischer?

Ungebührliche

Was hält die Sprache bereit an Ausdrücken für Delinquenten und ihr Treiben? Der «Tages-Anzeiger» bringt Beispiele: «Die Kantonspolizei Zürich gelangte an die Aargauer Staatsanwaltschaft. Dabei zeigte sich, dass im Kanton Aargau ebenfalls ein Unhold auf die gleiche Art sein Unwesen getrieben hatte.» Was wir natürlich unschön finden, ungehörig noch dazu.

Vegetabile

«Nur Alkohl und Tabak teurer: Alles so billig wie noch nie», meldete «Blick Online». Immer dieses neue Gemüse, können wir da nur sagen. Der Alkohl sollte, wie wir hören, rasch konsumiert werden, sonst fängt er gleich an zu gären.

Umgewandelte

Apropos: Was passiert mit dem Gären, wenn es vorbei ist? Richtig, etwas wurde vergoren. Nicht aber kürzlich im «Bund». Da war zunächst die Rede von «vergärtem Fruchtzucker», dann von «vergärten Pflaumen»; als im gleichen Artikel auch noch «vergärte Früchte» vorkamen, waren wir definitiv verärgärt.

Konsumfreudige

EinE SchelmIn, wer etwas Böses denkt, dachten wir vor kurzem bei der Lektüre der Schlagzeilen auf «Tages-Anzeiger Online». Die erste hiess: «Schwarzer Polizist hilft weissem Rassisten», die zweite aber: «Niemand ist mehr Schoggi als die Schweizer». Wenn es stimmt, dass man ist, was man isst, dann auf jeden Fall lieber Schoggi als Alkohl.

Belegte

Ebenfalls im «Tages-Anzeiger» wurde jüngst der profilierte Zürcher Koch Peter Brunner zitiert: «Sie beschäftigen sich enorm stark mit dem Essen, aber nur übers Internet und via Fernsehen. Sie wissen unglaublich viel übers Kochen, was kulinarisch wo auf der Welt passiert. Wenn sie aber überhaupt auswärts essen, dann höchstens in eine Pizza.» Wenn wir es nicht besser wüssten, würden wir sagen, es ehrt den Koch, dass er nicht mal weiss, dass es Pizzeria heisst. Aber genau in dem Moment, als das gehetzte Korrektorat über dieses Interview gebeugt war, drückte es ein Stück kalte Pizza in sich hinein und hatte deshalb ein Aufmerksamkeitsdefizit.

Heiratlose

Was war bemerkenswert an der jüngsten Hochzeit des europäischen Hochadels? «Das weisse Hochzeitskleid der Braut, zu dem sie Spitzenhandschuhe trägt, stammt von Valentino, ihr Hals schmückt ein schwarzes Band mit Anhänger.» Ein schöner Rücken kann auch entzücken, meint Leserin T., die dies in der «Schweizer Illustrierten» gelesen hat, und fügt an: ein schöner Hals ebenfalls. Ohne Hals dran ist das schwarze Band ganz schmucklos.

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