Nr. 36/2015 vom 03.09.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an Autor:in

Kantönligeistige

«Während einige Kantone – etwa Lausanne oder Zürich – viel in Brückenangebote wie Integrations- und Berufswahljahre investieren …», stand in der letzten WOZ. Wir ergänzen an dieser Stelle: «… liegt beim Geografieunterricht namentlich diesseits des Röstigrabens noch einiges im Argen.»
Jürg Fischer

Masochistische

«Mit gefesselten Händen hat die ungarische Polizei gestern Samstag vier Männer in das Gerichtsgebäude der Stadt Keckskemét geführt», schrieb die «NZZ am Sonntag». Absichtlich falsch verstanden, lautet die Interpretation: Leider sind auch der ungarischen Polizei die Hände gebunden.
Jürg Fischer

Charakterliche

«Der korpulente und homosexuelle Schauspieler und explosive Künstler drehte auch mit Rainer Werner Fassbinder, Peter Zadek und Wim Wenders.» So war es zu lesen in einer Meldung der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) zum Tod des Wiener Schauspielers Peter Kern. Heterosexuelle und normalgewichtige BühnenkünstlerInnen tun gut daran, auf diesen ihren Eigenschaften zu bestehen, sonst wird ihr Nachruf dereinst unvollständig sein.
Jürg Fischer

Konsequente

Ebenfalls einer SDA-Meldung war zu entnehmen: «Er habe sich in einer schwierigen familiären Lage befunden; die tieferen Motive seien aber weder bekannt noch zu verstehen, teilte der Staatsanwalt mit.» Redete der Staatsanwalt über sich selber? Seine Aussage ist zwar bekannt, aber auch nicht zu verstehen.
Jürg Fischer

Niederschlagsreiche

«Dominica wird von 38 Zentimeter hohen Regenfällen überflutet», meldete «Tages-Anzeiger Online» zu den Folgen des Sturms Erika in der Karibik. Das ist bestimmt unangenehm, aber das Tragen von anständigen Gummistiefeln dürfte Abhilfe schaffen.
Jürg Fischer

Offensichtliche

In Zürich meinte eine voll verschleierte Touristin gegenüber der NZZ, ein Verbot der Vollverschleierung passe nicht zur offenen Schweiz, «sie selbst störe sich nicht an den freizügig gekleideten Frauen. Umgekehrt habe sie jedoch schon viele böse Blicke geerntet. Und das, obwohl sie unter dem Stoff stets ein freundliches Lächeln trage.» Dank dieses Hinweises plant der sogenannte Schwarze Block nun die Sympathiekampagne «Kein Stein ohne Lächeln».
Karin Hoffsten

Feinstoffliche

Dass es die Ärzteschaft nicht leicht hat, zeigte die «NZZ am Sonntag»: «Schliesslich ermitteln die Mediziner noch einmal detailliert die kurze Lebensgeschichte des Kindes bis zu seiner Zeugung.» Hier musste man notgedrungen auf das Fachwissen einer Expertin für Rückführungen und anderen geistlichen Personals zurückgreifen.
Karin Hoffsten

Philosophische

Seit ein ungarischer Bankomat eine Kollegin bat: «Bitte erhalten Sie den Schein!», vermuten wir, dass sich hinter dem, was wir bisher für harmlose Übersetzungsfehler hielten, weltweite Tests mit künstlicher Intelligenz verbergen.
Karin Hoffsten

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