Nr. 41/2015 vom 08.10.2015

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Blickdichte

«In Anwesehenheit von Arnold Schwarzenegger», frohlockte die Website des Zurich Film Festival. Wir meckern: In Abwesehenheit des nochmaligen Durchlesens.
Jürg Fischer

Fernöstliche

Wenn ein Roman «Die japanische Tasche» heisst, kann man sich schon mal drin verlieren. Im «Tages-Anzeiger» lasen wir: «Als Leseanweisung für ‹Die japanische Tasche› taugt das nur bedingt. Das Unmögliche dieses Romans kann nur ein einziger Leser zur Möglichkeit verhelfen. Der ideale Leser: Adolf Muschg selbst.» Das Schwierige dieser Passage kann auch nur eineR Erleichterung verschaffen: der/die diensthabende KorrektorIn der Spätschicht. Aber als Rat taugt das nur bedingt. Denn dafür scheint das Budget zu fehlen.
Jürg Fischer

Getriebene

Die NZZ staunt über die Wahl des neuen Avenir-Suisse-Direktors: «Das überrascht auf den ersten Blick, wird doch damit die Leitung des von der Unternehmerschaft gestützten Think Tanks in Hände wechseln, die sich vor allem in der Verwaltung profiliert haben.» Tja, tu den Tiger in den Tank, das war einmal. Heute heissts: Spannt den Schimmel an, seht, der Wind treibt Regen übers Land.
Jürg Fischer

Zweigeteilte

Schreiben heisst auch Verdichten, aber Achtung, irgendwann wirds zu dicht: «Henning Mankell schrieb nicht nur Bestseller, sondern stets auch gegen die Ungerechtigkeit der Welt an.» So, suggeriert die Formulierung des «Tages-Anzeigers», müssen wir uns Mankells Tagesplan vorstellen: 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr Bestseller produzieren, 17 bis 18 Uhr gegen die Ungerechtigkeit der Welt anschreiben (unverkäuflich).
Jürg Fischer

Unverschulte

«Was sollen wir aus diesem Artikel über eine alte Binsenweisheit ernen?», fragte ein Leserbrief in der «SonntagsZeitung». Nicht viel, fürchten wir. Der Erneffekt ist an einem kleinen Ort. Der Erneifer fehlt. Das Ernprogramm muss neu geschrieben werden.
Jürg Fischer

Gebeamte

Dass die Entwicklung des World Wide Web in den ostdeutschen Bundesländern Dinge ermöglicht, von denen die restliche Welt nur träumen kann, zeigte die WOZ letzte Woche im Bericht über das Brandenburger Ökodorf Brodowin: «(…) per Internet liefert das Unternehmen ‹Ökokörbe› direkt an die Haustür.»
Karin Hoffsten

Reinfantilisierte

«Er inspiriert mich, seit ich Kind bin!», schwärmte Altbundesrätin Ruth Metzler von Emil Steinberger auf der Titelseite des «Blicks». Ob diese Entwicklung infolge ausgeuferter Antiagingmassnahmen einsetzte, blieb unklar.
Karin Hoffsten

Wesentliche

Herzogin Kate informierte sich laut «Tages-Anzeiger» in einem Frauengefängnis über die Probleme Drogensüchtiger in Haft: «Laut Medienberichten dauerte die Visite, bei der sie ein helles Kostüm trug, etwa zwei Stunden.» Das wundert uns sehr, gingen wir doch bis anhin davon aus, dass die britische Herzogin solche Besuche ausschliesslich in einem rosa Hasenkostüm absolviert.
Karin Hoffsten

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