Nr. 50/2015 vom 10.12.2015

Von Rahel Locher

Performances in Zürich

Wie stellen wir Geschlecht dar, und können wir unser Geschlecht verändern, indem wir uns nicht rollenkonform verhalten? Diese Fragen stehen im Zentrum des Solostücks «XXY» von Ivan Blagajcevic. Der in Zürich lebende Tänzer und Performer vereint dabei Elemente des Bewegungstheaters und des Kabuki, einer traditionellen japanischen Theaterform, die mit Gesang, Tanz und Pantomime arbeitet. Er nimmt verschiedene (Geschlechter-)Rollen ein – eine Dragqueen oder eine Onnogata. Letzteres bezeichnet im Kabukitheater einen männlichen Schauspieler, der eine weibliche Rolle verkörpert.

«XXY» in: Zürich Tanzhaus, Do/Sa, 10./12. Dezember 2015, 20 Uhr, So, 13. Dezember 2015, 18 Uhr. www.tanzhaus-zuerich.ch

Meg Stuart wurde schon als Kind in Kalifornien in die Theaterproduktionen ihrer Eltern einbezogen. Nun erschafft die in New York ausgebildete Tänzerin eigene Choreografien. Die Grundlage dafür bieten die Improvisationen der jeweiligen PerformerInnen. Im Stück «Sketches/Notebook» spielen die zwölf KünstlerInnen mit Licht und Musik, mit Gesten und Objekten aus glänzendem oder flauschigem Material. Sie erkunden im gemeinsamen Raum auf der Bühne die Verbindungen zwischen Tanz, Theater, Musik und visueller Kunst.

«Sketches/Notebook» in: Zürich Gessnerallee, Fr/Sa, 11./12. Dezember 2015, 20 Uhr; So, 13. Dezember 2015, 18 Uhr. www.gessnerallee.ch

Blicke aus der Zukunft

«Ich werde meine Rede nun hier beenden, da es meine Aufgabe war, eine bittere und harte Wahrheit hinter dem leeren, hohlen und falschen Europa zu zeigen.» So etwa klingt es auf der Bühne, wenn die Frage im Raum steht: Wie werden kommende Generationen auf unsere europäische Gegenwart schauen?

Fünf verschiedene Antwortversuche bieten die Kurzstücke der Basler AutorInnen Ariane Koch und Joël Laszlo, gebündelt unter dem Titel «Zukunft Europa» und gespielt von der freien Theatergruppe Theater Marie. In einem der Kurzstücke, «www.fiverr.com», nimmt Ariane Koch das Outsourcing von Arbeit in Billiglohnländer gleich selbst vor: Via die Dienstleistungsplattform Fiverr hat sie Kurztexte von verschiedenen AutorInnen aus aller Welt gesammelt und so die Perspektive geöffnet – für kritische Blicke auf das aktuelle Europa aus China, Indien und Venezuela.

«Zukunft Europa» in: Birsfelden Theater Roxy, Mi–Fr, 16.–18. Dezember 2015, 20 Uhr. www.theater-roxy.ch

Basisdemokratisch

Von klassischen Konzerten sind wir uns ja gewöhnt: Da steht einer vorne mit dem Dirigentenstab und entscheidet über Tempo und Lautstärke. In diesem Sinn ist das neue Berner Ensemble namens Das seltene Orchester wirklich ein seltenes Orchester: Es ist im Kollektiv organisiert. Die von einem Teil der zwölf MusikerInnen selbst komponierten Stücke bewegen sich zwischen Jazz, Folk, Klassik und neuer Musik. Der Lyriker Alain Wafelman umrahmt die Klänge von Streich- und Blasinstrumenten und einem – ebenfalls selten gespielten – Hackbrett.

«Das seltene Orchester» in: Bern Inselkapelle, Di, 15. Dezember 2015, 20.30 Uhr. www.dasselteneorchester.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch