Nr. 03/2016 vom 21.01.2016

Tour de Lorraine

Und wieder ist es so weit: Die Tour de Lorraine diskutiert, musiziert und tanzt sich durch das gleichnamige Berner Stadtquartier. Entstanden einst aus dem Protest gegen das Weltwirtschaftsforum, weiterhin der Überzeugung, dass die Kritik den Kapitalismus als solchen in den Blick zu nehmen hat, und doch eigenwillig geblieben. Dieses Jahr geht es um Flucht und Migration. Mehr als zwanzig Workshops berichten am Samstag vom praktischen Widerstand, vom Deutschunterricht bis zu Hilfslieferungen auf dem Flüchtlingstreck. Aber auch politisches und philosophisches Wissen kann erlernt und vertieft werden, etwa in einem Crashkurs zum Asyl- und Ausländerrecht oder in einer Diskussion über den Critical-Whiteness-Ansatz. Eine neue Perspektive in der Migrationspolitik, das ist den OrganisatorInnen klar, gibt es nur in Bündnissen: So hat man sich mit den VerfasserInnen der kirchlichen Migrationscharta zusammengetan und diskutiert deren offensive Forderungen. Abends gibt es Lesungen, Filme und Konzerte in den Lokalen im Quartier: Elektropunk mit 100 Blumen aus Düsseldorf, funkige Illusionen mit Vater Morgana oder Chansons mit Sister Gold.

Tour de Lorraine 2016 in: Bern Lorrainequartier, Do–So, 21.–24. Januar 2016. Mehr Infos in der «antidot»-Beilage der letzten WOZ sowie auf tourdelorraine.ch.

Kaspar Surber

Kunst aus dem Lager

«Es harrten 18 000 Menschen auf Hilfe. (…) Es regnete und regnete. Der Boden war in ein Schlammmeer verwandelt. Die Latrinenverschläge waren bis zu hundert Meter entfernt und in zwei Meter Höhe auf steiler Treppe erreichbar. Arme schwache, alte und kranke Menschen! Der Hunger nagte.» So erinnerte sich die Schweizer Rotkreuzschwester Elsbeth Kasser (1910–1992) an die unerträgliche Lage im Internierungslager Gurs nordöstlich der Pyrenäen, in dem sie ab Ende 1940 arbeitete. Trotz widrigster Umstände schaffte sie es, im Lager eine Baracke einzurichten, in der Jugendliche und Kinder basteln, malen und musizieren konnten. Mit erwachsenen Kunstschaffenden organisierte sie kulturelle Soirées. Zum Dank schenkten ihr die Internierten Zeichnungen und Aquarelle, die jetzt zusammen mit Fotografien im St. Galler Museum im Lagerhaus zu sehen sind. Kasser schmuggelte überdies auch einen Bericht über die Zustände aus dem Lager, der im «Oltner Tagblatt» publiziert wurde.

«Die von Gurs. Kunst aus dem Internierungslager der Sammlung Elsbeth Kasser» in: St. Gallen Museum im Lagerhaus, Mo, 25. Januar 2016, 18.30 Uhr, Vernissage; bis 10. April 2016. museumimlagerhaus.ch

Daniela Janser

A Tribe Called Knarf

Sie nannten sich Knarf Rellöm with the Shi Sha Shellöm oder Knarf Rellöm Trinity, nun kehren sie zurück als A Tribe Called Knarf: Frank Möller und seine kongenialen MitstreiterInnen an Bass und Schlagzeug, DJ Patex und Viktor Marek. Der neue Name ist eine Verneigung vor den Hip-Hop-Innovatoren A Tribe Called Quest, weniger in musikalischer – das Trio setzt weiterhin auf Dub, Rock, Funk und Hörspiel – als in künstlerischer Hinsicht: als Hommage an die Erneuerung. Alles drehen und wenden, auch wenn es zwischendurch doof klingt, weil es dann doch wieder genial blitzt – das ist auch die Strategie von Knarf, Patex und Marek. In diesem Sinn der schöne neue Albumtitel: «Es ist die Wahrheit, obwohl es nie passierte». Die Wahrheit über ihre Konzerte immerhin steht fest: Sie bleiben wild und unberechenbar.

A Tribe Called Knarf in: Schaffhausen Cardinal, 21. Januar 2016; Zürich Helsinki Klub, 22. Januar 2016; Bern Café Kairo, 23. Januar 2016. tomprodukt.de

Kaspar Surber

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