Nr. 20/2016 vom 19.05.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Krankgeschriebene

Mit Interesse verfolgen wir die Publikationen des neuen NZZ-Feuilletonchefs René Scheu, zum Beispiel: «Doch wer die Worte auf sich wirken lässt, erkennt ihre zynische Pointe. Die Sorgen ernst zu nehmen, bedeutet, den Sorgenden gerade nicht für voll zu nehmen – der Bürger wird als Patient adressiert, der kein ernsthaftes Anliegen zu artikulieren vermag, sondern bloss Gefühle hegt, deren realer Grund er nicht durchschaut.» Wir wären schon froh, wenn der Bürger Sätze zu Papier bringt, deren Fallkonstruktionen vor der Grammatik Bestand haben.
Jürg Fischer

Zartbesaitete

Weil wir nichts Besseres zu tun hatten, überflogen wir über Pfingsten die Onlinemedien und lasen auf blick.ch: «Im Juni steigen in Basel Kampfsportler aus der ganzen Welt an der Martial-Arts Messe in den Ring. Basel macht sich derweil gegen möglich Ausschreitungen bereit, denn an der Messer treffen sich auch Rocker, Hooligans und Zuhälter in der Rheinstadt. (…) Nichts für weiche Seelen also.» Die Polizei sollte zusätzlich die Journis im Auge behalten, denn ganz offensichtlich wird auf dem Boulevard ebenfalls mit harten Bandagen gekämpft, ohne Rücksicht auf Verluste.
Jürg Fischer

Brummende

«Erdogan-Tochter heiratet Drohnen-Prinz vor 6000 Gästen.» Auch diese Meldung erreichte uns, und zwar via bluewin.ch. Bei aller gebotenen Vorsicht angesichts offizieller türkischer Empfindlichkeit erlauben wir uns, darauf hinzuweisen, dass ein Drohnen-Prinz eine ziemliche biologische Zumutung ist. Die Drohnen taugen zwar gerade noch zum Begatten, beteiligen sich aber «nicht an irgendwelchen Arbeiten im Bienenstock oder am Sammeln von Pollen und Nektar» (Wikipedia). Nach vollzogener Kopulation mit der Königin ist fertig lustig. Wir wollen die Analogie nicht weiter bemühen; soll aber keiner kommen und sagen, wir hätten nicht gewarnt.
Jürg Fischer

Hierarchische

«Generalbabos, die zum Pendeln benutzt werden, müssen teurer werden», stand in der «SonntagsZeitung». Den «Babo» kennen wir, seit er in Deutschland zum Jugendwort des Jahres 2013 gewählt wurde, als «Boss» oder «Anführer». Den Generalbabo, also den Boss der Bosse, kennt hingegen nur die Schweiz, und der lässt sich nicht gern billig verschaukeln.
Karin Hoffsten

Klargestellte

«Alles erstunken und erlogen. Ich war nie im Spital», zitierte die «Schweiz am Sonntag» den Musiker Polo Hofer, der sich über eine entsprechende Meldung im «Blick» empörte und dann präzisierte: «Aber ich war nur kurz dort. Nur stationär.» Da sitzt so ein Promi mal kurz an der Busstation «Spital», und schon spinnen die Medien.
Karin Hoffsten

Mehlige

Der «Bund» warnte: «Nicht auszumahlen, was es bedeuten würde, wenn sich in 10 Jahren plötzlich überall Risse an den Wänden auftun.» Auf jeden Fall eine Menge Pulver.
Karin Hoffsten

Juristische

«Thomas N. war bis anhin noch nie polizeilich belangt worden, insbesondere nicht wegen eines Sexualdeliktes», wusste «Tages-Anzeiger Online». Er ass auch nie Teigwaren, insbesondere keine Hörnli.
Karin Hoffsten

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