Nr. 44/2016 vom 03.11.2016

Von Karin Hoffsten

Handwerkliche

Eine neue Dimension haben offenbar die Vorwürfe gegen Donald Trump erreicht. So las WOZ-Leserin T. in einem Walliser Postauto auf dem Infobildschirm: «Eine Frau behauptet, Donald Trump habe sie auf einem Flug von Braniff sexuell belästigt. Im Zentrum des Falls steht eine Armlehne.»

Aufklärerische

Auch das «St. Galler Tagblatt» nahm den #SchweizerAufschrei zum Anlass, sich mit dem Thema Sexismus zu befassen. Als Einstieg diente auf der Titelseite die Frage: «Wieso nennen sich junge Frauen, die ihre Köper gerne zur Schau stellen, plötzlich Feministinnen?», was vermuten lässt, dass die Redaktion noch immer am Latzhosentrauma leidet. Drinnen erklärte ein Kommentar dem verschreckten Publikum, dass junge Feministinnen halt reden, «wie ihnen der Schnabel gewachsen ist», und zudem sei «ein Kompliment kaum je sexistisch, wenn es auch als solches gemeint ist»; zum Beispiel, wenn er ihr in guten Treuen Titten wie Milch und Honig bescheinigt, denken wir. Gar nicht einverstanden sind wir aber mit dem Hinweis einer Sexualtherapeutin: «Männer mit Macht sind auch ein Aphrodisiakum». Wer will sich schon mit einem reichen, alten Kerl einschmieren, bevor er mit dem Geliebten ins Bett geht?

Vernetzte

Der «Tages-Anzeiger» beschäftigte sich mit jugendpsychologischen Fragen: «Es ist ein Internetphänomen, bei dem Teenager in Stadt und Land verkleidete Filmchen drehen, ins Netz stellen und sich so in eine globale Sache einklinken wollen.» Die globale Sache nennt sich Videodressing, und verkleidete Filmchen sind niemals als solche erkennbar, tragen meist Schwarz und haben keine Tonspur.

Gefühlsbetonte

Die «NZZ am Sonntag» hingegen entdeckte, zu welcher Leidenschaft unsere Natur fähig ist: «Der Gletscher schlägt zurück», hiess es da, und weiter: «Die Rache des Gletschers: Wegen der Klimaerwärmung schrumpft der Aletschgletscher – und lässt hinter sich den Berg einstürzen.» Wir ergänzen gern: Der Gletscher schmilzt vor Wut und pinkelt uns TalbewohnerInnen ans Bein. Schliesslich wissen wir seit sechzig Jahren, dass auch die Wüste lebt.

Unpräzise I

Die gleiche Zeitung meldete kürzlich: «Apple Watch verkauft sich kaum mehr (…) Lancierung neuer Modellen steht bevor.» WOZ-Leser H. wünscht sich jetzt die Lancierung neuer Korrektoraten und wir, dass den neuen Modellen bei ihrer Herstellung mehr Präzision vergönnt sei als bei der zitierten Erwähnung.

Unpräzise II

Sicher keine Apple Watch trägt einer der jungen Männer am Arm, die in einer neuen Inseratekampagne fürs «Migros-Magazin» vom Sofa aus gebannt in die Glotze schauen. «Erreichen Sie mit einer Schaltung so viele Leute wie mit 15,4 Mal Sportpanorama», heisst es daneben. Nun zeigt die besagte Uhr 14 Uhr und 19 Minuten, das «Sportpanorama» läuft aber erst am Sonntagabend zwischen 18.15 und 19.20 Uhr. Entweder gucken die Jungs «Traumhotel», oder die Uhr ist kaputt. Dann wärs ja in diesem Fall vielleicht doch Zeit für eine Apple Watch.

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