Nr. 45/2016 vom 10.11.2016

Von Jürg Fischer und Karin Hoffsten

Abgelaufene

Wenn diese Zeitung erscheint, ist der US-Wahlkampf Geschichte. Doch noch am Dienstag konnten wir auf tagesanzeiger.ch über Michelle Obama lesen: «Mehr als 30 000 Menschen strömten zu Hillary Clintons Wahlkampf-Showdown. Doch der Star des Abends war die amtierende Frist Lady.» Wie wahr, ihre Zeit im Weissen Haus ist begrenzt. Doch Michelle wird sicher auch danach eine Lady bleiben.
Jürg Fischer

Narkotisierte

Man kann seinen LeserInnen ein Thema nicht nur mit detaillierten Beschreibungen vor Augen führen, sondern auch mit Weglassungen. So zitierte die «NZZ am Sonntag» in einer grossen Reportage über die Heroinkrise in den USA einen Professor folgendermassen: «Verkauft ein Dealer diesen Sto und es treten viele Überdosierungen auf, würde man denken, dass andere die Hände davon lassen. Doch das Gegenteil ist der Fall.» Es sieht so aus, als hätte hier ein Korrektor so sehr nach Stoff gelechzt, dass er sich auch mit kleinen Mengen zufriedengab.
Jürg Fischer

Winselnde

Die «Schweiz am Sonntag» titelte mit einem betulicheren Thema: «Haustier unerwünscht. Viele Vermieter verbieten Hund und Katz. Mieterverbände jaulen auf.» Aufgepasst mit bildhaften Vergleichen, sagen wir da. Wenn wir uns die Mieterverbände als Hunde vorstellen, wünschen wir uns jedenfalls nicht, dass sie den Schwanz einziehen, kaum sagt der Vermieter: «Platz!», sondern dass sie bellen und beissen.
Jürg Fischer

Aufgeblähte

«Doch die Genfer Staatsanwaltschaft bekam Luft davon», wusste der «Blick am Abend» über Machenschaften des äquatorialguineischen Diktatorensohns. Wir hoffen, sie konnte sich der Luft auf nicht allzu olfaktorisch penetrante Art entledigen.
Jürg Fischer

Wohlige

«Brustkrebs ist nach Überwindung der Krankheit auch eine Frage der Lebensqualität», schrieb die «Schweizer Illustrierte». Hier muss es sich um das handeln, was die Psychologie gemeinhin als «sekundären Krankheitsgewinn» bezeichnet.
Karin Hoffsten

Medusige

Dieselbe Illustrierte präsentierte ein gastronomisches «Highlight», bei dem wir uns nicht ganz sicher sind, ob es nicht ebenfalls in die Hände erfahrener MedizinerInnen gehörte: «Die 35-köpfige Teamarbeit von Caterer Franzoli».
Karin Hoffsten

Stolze

Unter dem Foto der Siegerin des New-York-Marathons im «Tages-Anzeiger» lasen wir: «Mary Keitany lief lange alleine voraus, ehe sie im Ziel der Hattrick bejubelte.» Die Sportlerin ist zweifache Mutter und der Hattrick vermutlich ihr Jüngster.
Karin Hoffsten

Zeitgemässe

«Hildebrands Freundin auf Konfrontationskurs», titelte tagesanzeiger.ch. Gibt die Lebensgefährtin des ehemaligen Nationalbankchefs etwa gern Widerworte und will nie denselben Film sehen wie er? Nichts davon: Er kommt im Text gar nicht vor, und Margarita Louis-Dreyfus hat nicht nur Milliarden, sondern auch einen eigenen Namen. Ach, schön wars, als die Frau vom Arzt noch nur die Frau Doktor war.
Karin Hoffsten

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