Nr. 50/2016 vom 15.12.2016

Von Florian Keller

Knöppel, ihr Wichser!

Akute Allergie gegen die grassierende Adventsandacht? Da hat die Schüür in Luzern gerade das richtige Gegengift am Start: Punkrock von roher Unwucht, so spritzig wie abgestandenes Bier, so geil wie ein Viertligakick auf dem Sportplatz Schelmengrube und stets gegrölt statt gesungen. Macht Platz, ihr Köppels, hier kommt Knöppel, die neue Band des St. Galler Elementardichters Jack Stoiker.

Mit der Hitsingle «Abseits (Du Wichser)» hat das Trio diesen Herbst eine unschlagbar unterklassige Hymne für alle sympathischen Fankurven unterhalb der Super League lanciert. Das dazugehörige Album nennt sich «Hey Wichsers» und will gemäss Eigendeklaration «die Messlatte für Pöbelei bei strikter Einhaltung des Versmasses und unter Verwendung des Wortes ‹Wichser› in 18 Songs» neu definieren. Da lässt sich nur sagen: Mission erfüllt!

Romantik? Ist natürlich im Kübel, siehe «Figgdroge Alkohol». Wenn den Knöppeln zwischen Wichser und Pissoir gar nichts mehr einfällt, denken sie einfach an viel schönere Sachen: «Hüt wert onaniert!» Und dank Knöppel hat jetzt endlich auch Uzwil die Sehnsuchtshymne, die es verdient. Ob man sich dort darüber freut, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Knöppel und Jack Stoiker in: Luzern Schüür, Mi, 21. Dezember 2016, 20.30 Uhr.

Sarbach sagt Adieu

Dieses Jahr war ja abdankungstechnisch ein richtiger Sauhund. David Bowie, Leonard Cohen, Bädu Anliker sind alle nicht mehr unter uns, und wo sie waren: grosse Lücke. An der alten Wirkungsstätte von MC Anliker ist jetzt noch ein Abgang zu vermelden, aber keine Sorge, gestorben wird nicht im Café Mokka. Es verabschiedet sich dort bloss einer von der Liedermacherbühne, von dem dann gar nicht so viele merken werden, dass er abgetreten ist: Der Berner Barde Sarbach, grossäugiger Wuschelkauz mit zehn Platten und über 1500 Konzerten auf dem Buckel, gibt nach drei Jahrzehnten seinen Abschied an der Stätte, wo er einst angefangen hat.

Der selbsternannte Liederzüchter wird also ein letztes Mal die Dialektstimme erheben und seine Dialektikgitarre zupfen, er wird uns nochmals daran erinnern, dass die Liebe immer eckig, rund und gestrichelt ist, aber sicher nie gerade, und dass sie zwar gratis ist, aber auch das Teuerste, was gratis zu haben ist auf dieser Welt. Danach sagt Sarbach Adieu und die Liederlandschaft wird ein bisschen öder sein in der Region und auch ausserhalb.

Sarbach in: Thun Café Mokka, Do, 22. Dezember 2016, 20.30 Uhr.

Medienkrise in der Box

Im Theater: ein Stadion. Anstelle der Bühne: eine Arena und mittendrin ein runder Tisch. So sieht das Spielfeld aus, das die Bühnenbildnerin Muriel Gerstner für die Box im Zürcher Schiffbau entworfen hat. «In Formation» heisst das ehrgeizige Projekt, mit dem der Regisseur Sebastian Nübling den Umbruch der Medien und die damit einhergehende Krise der Demokratie beleuchten will. Der Mundartdichter Guy Krneta, im Nebenamt Initiant der Medienaktion «Rettet Basel», hat dafür Spoken-Word-Szenen geschrieben, die auf Recherchen in Schweizer Medienhäusern beruhen – von Abokündigungen bis hin zu Reden von Chefredaktoren. Mitreden ist erwünscht:

Nach jeder Aufführung gibt es ein Publikumsgespräch mit Gästen aus der Medienbranche, bei der Premiere sind das WOZ-Redaktor Stefan Keller und Verleger Peter Wanner.

«In Formation» in: Zürich Schiffbau/Box, Sa/Mo/Mi, 17./19./21. Dezember 2016, jeweils 20.15 Uhr. Weitere Spieldaten siehe www.schauspielhaus.ch.

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