Nr. 02/2017 vom 12.01.2017

Die alte Logik

«Griechenland: ‹Syriza war unsere letzte Hoffnung›», WOZ Nr. 50/2016

Mit Interesse habe ich das Interview mit Marianna Grikoraskou und Eleni Portaliou gelesen. Inhaltlich ist das absolut so, wie sie die Situation in Griechenland beschreiben. Beklagenswert sind unter anderem die angesprochenen massiven Privatisierungen. Hat man schon mal daran gedacht, dass es nach dem «Ochi» vielleicht eine «Gratulation», ich meine Drohung, vonseiten der «Verbündeten» gegeben haben könnte, Griechenland jederzeit die «Hilfe» zukommen zu lassen, im Fall einer tatsächlichen Umsetzung der versprochenen linken Politik, die man Hellas schon 1967 hat zukommen lassen?

Erinnern wir uns an den Putsch, als im Vorfeld Georgios Papandreou mit einer vorsichtigen, nicht mal explizit antikapitalistischen Reformpolitik auf Liberalisierung des Regimes und auf eine expansive und soziale Wirtschaft zielte. Die für ausländische Investoren äusserst vorteilhaften Verträge wurden zum Teil neu ausgehandelt. Diese Politik stiess nicht nur bei der extremen Rechten, sondern auch bei Oligarchie und König auf Widerstand, weil die eingeleitete politische und soziale Entwicklung langfristig das Ende ihrer Privilegien bedeutet hätte.

Es ist dieselbe alte Herrschaftslogik, seit circa 200 Jahren kapitalistisch genannt, mit der damals zum Putsch gegen die Regierung Georgios Papandreou losgeschlagen wurde, um die Interessen derer zu schützen, die noch immer für schützenswert gehalten werden.

Bernd Mensing, per E-Mail

Genauso verwerflich

In den LeserInnenbriefen zur Strafanzeige von Stefan Keller gegen das Plakat der Palästina-Solidarität (WOZ Nr. 50/2016) haben mich die mutwilligen beziehungsweise gedankenlosen Gleichsetzungen von Juden mit Israelis irritiert. Dass auch Juden und Jüdinnen die israelische Politik kritisieren, wurde unter anderem als Legitimation für ein solches Plakat angeführt. Diese Argumentation ist letztlich so absurd wie die Aussage, dass zahlreiche ChristInnen KritikerInnen der russischen oder amerikanischen Politik seien. Auch das Plakat («Aussage» von Benjamin Netanjahu: «Wir brechen Völkerrecht durch Landraub, Vertreibung, Apartheid … Unser Joker: Das schlechte Gewissen Europas.») stellt diese Gleichsetzung von Religion mit Staat her. Die aktuelle Politik Israels (Täter) wird argumentativ mit der Vernichtung der Juden im Zweiten Weltkrieg (Opfer) verknüpft und damit indirekt der Opferstatus der europäischen Juden während der Schoah infrage gestellt.

Natürlich darf und soll man die Politik Israels beanstanden – jedoch ohne ständige Instrumentalisierung der Schoah, wie dies beispielsweise Herr Matter einseitig der israelischen Regierung – mit der Absicht, die Plakatkampagne damit vom Vorwurf des Antisemitismus reinzuwaschen – vorgeworfen hat. Der politische Missbrauch der Schoah durch propalästinensische Organisationen ist genauso verwerflich wie der durch die israelische Regierung.

Esther Meier, Bern

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