LeserInnenbriefe

Nr. 10 –

In der linken Blase?

WOZ Nr. 8/2017

Der Gag war gut! «Undercover in der rechten Blase» (auf den Seiten 15–17). Dann auf dem WOZ-Cover sowie auf den Seiten 12/13: Willkommen in der linken Blase, mit einer reichlich einseitigen Betrachtung zur Russischen Revolution von 1917.

War er so beabsichtigt?

Daniel Heierli, Zürich

Wirren statt Klärung

«Zürcher SP-Knatsch: Mario Fehr oder Daniel Frei – einer von beiden lügt», WOZ Nr. 9/2017

Daniel Rysers Artikel wirft einige Fragen auf – berechtigte zum professionellen Umgang mit innerparteilicher Kritik, aber auch heikle, betreffend die sonst als verlässlich geltende Recherchierqualität der WOZ.

Selbstverständlich muss eine Partei die Arbeit ihrer Exekutivmitglieder öffentlich kritisieren dürfen. Und dass Mario Fehr dazu ausreichend Gelegenheit bietet, darf auch mit Rücksicht auf sein anspruchsvolles Ressort ebenso erwähnt werden wie seine wenig ausgeprägte Kritikfähigkeit.

Zu diskutieren wäre indessen, wie und wo die Auseinandersetzung im direkten Dialog geführt werden muss und wie weit die Exponenten dazu Hand geboten haben. Aufschluss darüber sucht man im WOZ-Artikel – im Gegensatz zur NZZ-Berichterstattung – vergeblich.

Als Grund für die entscheidende Meinungsverschiedenheit nennt Ryser, mutmasslich gestützt auf Aussagen des linken SP-Flügels, eben diese Kritikfrage. Die restliche Presse schildert den Fall jedoch dahin gehend, dass Daniel Frei im Zuge seiner Vermittlungstätigkeit von Mario Fehr Zugeständnisse signalisiert erhalten hat, an die Bedingung geknüpft, dass diese nicht medial kommuniziert würden. Nachdem sich die Mehrheit der Geschäftsleitung (GL) trotzdem für einen Gang an die Öffentlichkeit entschieden und damit ihren Präsidenten unterlaufen hat, habe Fehr seinerseits seine Zugeständnisse in Abrede gestellt.

Nun darf sich jeder für die glaubwürdigere Darstellung entscheiden. Würde der versierte Taktierer seiner GL kurzfristig auffliegende Lügen auftischen? Oder war gewissen Leuten ein vermeintlicher medialer Sieg wichtiger als ein politischer Vorteil?

Bei diesem Thema steht Daniel Rysers journalistische Sorgfalt erneut in Zweifel: Daniel Freis Aussage «Zumindest Teile des linken Parteiflügels weisen sektiererische Züge auf und funktionieren auch wie eine Sekte» wertet Ryser gleich als «Dreck schleudern gegen die ganze SP». Während Daniel Ryser freimütig auf Regierungsrat Fehr schiesst, lässt er die Rolle des linken Flügels unangetastet. Auch Daniel Freis Verhältnis zu Mario Fehr kennt Ryser offenbar nur aus der Distanz. Eine Stellungnahme von Daniel Frei hätte hier wesentlich zur Objektivität und Glaubwürdigkeit beigetragen.

«Daniel Frei war für die SP ein Glücksfall», schrieb der die Zürcher Politik bestens durchblickende Ruedi Baumann im «Tages-Anzeiger». Dies aus gutem Grund: dossierfest und kompetent mit pointiert linken Positionen und dies mit Bodenhaftung, strategisch und taktisch gewieft, kommunikationsstark in Vermittlung, Diskurs und Rede und mit einer politischen Reife, die ihn stets den Unterschied erkennen lässt zwischen Ideologien, Visionen und einer zielführenden Realpolitik und was zu welchem Zeitpunkt wie zu gewichten ist. Inwieweit sein Rücktritt eine Chance für die Partei sei, wird sich erst weisen müssen.

Jedenfalls wünsche ich mir von der WOZ weniger beifallheischenden Linksaussen-Euphemismus, dafür solide Recherche und zwei offene Augen.

Hans-Peter Hubmann, Kopräsident SP
Region Lägern