Nr. 16/2017 vom 20.04.2017

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Historische I

Angesichts der österlichen Vorgänge widmete sich im «Tages-Anzeiger» ein Historiker der Frage, wie Jesus Christus, der seit Jahrhunderten bildlich dargestellt wird «wie ein Surflehrer aus Biarritz», wohl «im ersten Leben» ausgesehen habe: «Die Bevölkerung seiner nahöstlichen Heimat fällt jedenfalls selten ins beschriebene Raster. Und vor 22 000 Jahren, also lange vor dem Kontakt mit bleichen Germanen, Kreuzzüglern, Kolonisatoren und Touristen, dürften die vorherrschenden Looks sogar deutlich weniger europäisch gewesen sein.» Wir verorten die angesprochene Zeit im Jungpaläolithikum. Der Homo sapiens war bereits aus Afrika in Europa eingewandert und dabei, den Homo neanderthalensis zu verdrängen. Sollte dieser – entgegen allen bisherigen Erkenntnissen – in Richtung Naher Osten ausgewandert sein, dürfte das die Sicht auf den christlichen Religionsstifter einschneidend verändern.
Karin Hoffsten

Historische II

«Diana Neagu, 32, und Tino Pistalu, 35, haben am 6. April 2004 im Zürcher Stadthaus geheiratet», wurden wir im Gesellschaftsteil der «NZZ am Sonntag» informiert. Was den Vorgang ausgerechnet jetzt eines Berichts würdig macht, wurde uns nicht klar. Mit damals 19 und 22 Jahren waren die Brautleute schliesslich volljährig.
Karin Hoffsten

Verwackelte

«Der Gotthard bewegt die Schweiz und sein Strassentunnel ganz besonders.» So beschrieb die NZZ in einem Newsletter ein Phänomen, hinter dem wir geotektonische Vorgänge vermuten. Allerdings erwarten wir etwas mehr Präzision in der Berichterstattung, da nicht deutlich wird, ob der Strassentunnel diese Bewegungen aktiv unterstützt oder ob er aufgrund eines grammatikalischen Irrtums durchgerüttelt wird.
Karin Hoffsten

Handlungsfähige

Ganz anders «Der Bund». Dieser titelte «Machkampf geht planmässig weiter» und brachte damit präzis auf den Punkt, worum es doch immer und überall geht: Nur mit Machen statt Träumen gewinnt man einen Kampf.
Karin Hoffsten

Brutale

Es ist schon einige Zeit her, da sahen wir auf «Watson», dass man «eine Tänzerin in einen kor-blampenähnlichen Käfig gesperrt» hatte. Hoffentlich ist sie inzwischen wieder frei. Neben dem Streckbett gilt die Kor-blampe nämlich als mittelalterliches Folterinstrument, und wir hoffen, dass sie sich bald ebenso wie die Eiserne Jungfrau als neuzeitliche Fälschung herausstellt.
Karin Hoffsten

Feinfühlige

Über die Sportjournalistin Steffi Buchli schrieb «20 Minuten»: «SRF verliert mit Buchli eine Rampenfrau, die sich für keinen Event zu schade war (…).» Da sind wir ja froh, dass gerade noch jemand das «s» durch ein «fr» ersetzt hat.
Karin Hoffsten

Osmanischdepressive

Die Abstimmung war noch nicht gelaufen, da schrieb srf.ch bereits: «Korrespondenten warnen, Ergebnisse der türkischen Medien mit Vorsicht zu geniessen.» Die Ergebnisse sollen also ganz ohne Vorsicht genossen werden? Prost Mahlzeit. Immerhin dürfte es für die besagten Korrespondenten noch nicht gleich heissen: Rübe ab.
Jürg Fischer

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