Nr. 17/2017 vom 27.04.2017

Von Karin HoffstenMail an AutorIn und Jürg Fischer

Grobstoffliche

In einem Leserbrief an den «Tages-Anzeiger» lasen wir: «Köper und das, was wir als Geist verstehen, sind eine untrennbare Einheit.» Da die Köperbindung die Webart von bestimmten Baumwollstoffen beschreibt, zum Beispiel von blau-weissem Denim, zeigt sich die erwähnte Einheit am klarsten dort, wo Jeans tragende PhilosophiestudentInnen einen Himbeergeist zu sich nehmen.
Karin Hoffsten

Ausgebürgerte

Auch unsere Zeitung befasste sich vor zwei Wochen mit den Enthüllungen um Jürg Jegge und wies, verborgen im Text, gleich noch auf einen weiteren Skandal hin. Bei einem Zitat aus Jegges Buch «Dummheit ist lernbar» schrieben wir: «Mit diesem Buch von 1976 begann die Phase der Anerkennung und des Erfolgs für den ‹Pestalozzi der Schweiz›.» Was nichts anderes heissen kann, als dass der grosse Johann Heinrich in Wahrheit ein Ausländer war. Auch in diesem Fall haben die Behörden sofort eine gründliche Untersuchung angeordnet.
Karin Hoffsten

Analysierte

«Als echter ‹Buuregiel› freut sich George Schwab, 47, besonders über Gold für sein gleichnamiges Album. Noch grösser macht die Freude, dass der Bieler auch die Schattenseiten des Musikbusiness erlebt hat: Burnout, Tablettensucht, Entzug.» Damit lieferte die «Schweizer Illustrierte» auch gleich für alle, die sich an nichts mehr so richtig freuen können, das Geheimrezept intensiv erlebter Glücksgefühle mit.
Karin Hoffsten

Trockene

«Denn wohin man auch reist, kann man beobachten, wie die Hipster dieser Welt gerade Kinder bekommen und versuchen, Elternschaft zu entstauben wie den Filterkaffe, den man heute wieder trinkt (…)», hiess es in der «NZZ am Sonntag». Das ist eben das Besondere am Filterkaffe, dass man ihn im Gegensatz zum wasserhaltigen Kaffee erst entstauben muss.
Karin Hoffsten

Überreflexive

«So oder so fürchten sich die Schweizer Sozialdemokraten um den Fortbestand ihrer Schwesterpartei», hiess es im «Tages-Anzeiger». Nun fürchten einige unter uns um den Fortbestand sämtlicher Grammatikregeln, während sich die anderen vor deren Niedergang fürchten.
Karin Hoffsten

Schismatische

A propos Fürchten – quo vadis, Ökumene, fragen wir uns angesichts der folgenden Passage aus dem römisch-katholischen Pfarrblatt der Nordwestschweiz, «Kirche heute»: «Der SEK-Ratspräsident zeigte sich davon überzeugt, dass mit dem fehlenden Geld eine Therapie von aussen kommen werde. Dann ermunterte er dazu, das Kirchenjahr in der Ökumene furchtbar werden zu lassen.» Die zu erwartenden Hasspredigten wird man im besten Fall als Teil einer lebendigen Streitkultur verstehen können.
Jürg Fischer

Brachiale

Die «NZZ am Sonntag» blickte zurück auf den Irakkrieg im Jahr 2003: «Mit sechs Flugzeugträgern fliegen die USA vom Persischen Golf und vom östlichen Mittelmeer aus Angriffe gegen Saddam Hussein.» Nachdem wir den Krieg damals nicht verstanden haben, wird uns heute einiges klarer. Aufgrund seiner Kurzsichtigkeit konnte der Tyrann die doch recht grossen Flugobjekte nicht erkennen, was letztlich zu seinem Sturz führte. Die Flugzeugträger werden heute nur noch für Flugballette eingesetzt.
Jürg Fischer

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