Nr. 18/2017 vom 04.05.2017

Stabsübergabe beim Taktlos

Ein Festival, das Taktlos heisst, führt keine Statistik, möchte man meinen. Und doch hat jemand nachgezählt: Dieses Jahr geht bei der Feier des befreienden Jazz der 100. Konzerttag über die Bühne. Auftreten werden der Posaunist Michael Flury und Die Nachgeborenen: Dazu gehören neben Drummer Julian Sartorius und Sängerin Evelinn Trouble auch ein Meerschneckentrompetenchor sowie ein Phonograph mit Hexenhut. Danach übergibt zum runden Geburtstag der Verein Fabrikjazz den Stab an ein neues Team, den Verein Taktlos. Zum Ausklang spielt der Lieblingsgitarrist des Festivals, Marc Ribot. Einen Besuch wert sind auch die anderen Konzerte, etwa mit dem Kaja Draksler Octet. Die MusikerInnen um die slowenische Pianistin kommen aus dem Jazz wie aus der Klassik. Sie verbindet die Offenheit fürs Experiment.

Taktlos 17 in: Zürich Rote Fabrik, Do–So, 4.–7. Mai 2017. www.taktlos.com

Kaspar Surber

Wenn Uster wächst

Uster, einstmals stolzer Industriestandort, ist längst Teil der Agglomeration Zürichs und als solcher immer auf der Suche nach der eigenen Identität. Ist Uster wirklich Wohnstadt am Wasser oder nur Schlafstadt an der S-Bahn? Unbestreitbar ist: Uster wächst. Und in Uster wächst (schon lange) die Kunst. Zum zweiten Mal laden Rhea Hess und Katrin Segger zu Kunst- und Theaterspaziergängen nach Uster. Die gezeigten installativen und performativen Arbeiten stammen von einem Dutzend mit dem Ort verbundenen KünstlerInnen – die Mitspazierenden werden unter anderem konfrontiert mit dem mirakulösen Verschwinden eines Künstlers und können unter kundiger Anleitung eigene Plakate drucken – mit Marx-Zitaten.

Uster wächst, neun Spaziergänge, zwischen 7. und 20. Mai 2017. Daten und Programm siehe www.usterwaechst.ch.

Jürg Fischer

Die Wilden Schweizer

Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein wurden Menschen aus Afrika in der Schweiz in «Völkerschauen» vorgeführt. Das Theater Reaktiv dreht die Perspektive um: Es fragt in seinem aktuellen Stück «Die Wilden Schweizer», was MigrantInnen heute an der Schweiz verwundert. Im Anschluss an die Vorführung am Sonntag stellt Rea Brändle ihr Buch «Wildfremd, hautnah» vor. Darin hat sie die Geschichte der Zurschaustellung von Menschen in der Schweiz und ihre Kommerzialisierung untersucht. Das Buch war einer der ersten Beiträge zur Geschichte der Schweizer Beteiligung am Kolonialismus. Es liegt nun in einer aktualisierten Fassung vor.

«Die Wilden Schweizer» in: Zürich Mühlerama Tiefenbrunnen. Fr/Sa, 5./6. Mai 2017, 20 Uhr, So, 7. Mai 2017, 12.30 Uhr. Lesung von Rea Brändle: So, 14.30 Uhr.

Kaspar Surber

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