Nr. 20/2017 vom 18.05.2017

Vollgeld!

«Wie die Welt auf den nächsten Crash zusteuert», WOZ Nr. 17/2017.

Wie der Artikel treffend beschreibt, haben es die Regierungen verpasst, Luft aus der Blase zu nehmen. Ein Schuldenerlass und eine verstärkte Besteuerung der Vermögen und Kapitaleinkommen müssen stärker denn je gefordert werden. Den Schulden stehen schliesslich die Geldvermögen der Besitzenden gegenüber; so lassen sich heute nur mit einer Reduktion der Geldvermögen auch die öffentlichen und privaten Schulden verringern. Im Umkehrschluss gilt, dass eine Erhöhung der Geldmenge – also die Herstellung von neuem Geld – in der Praxis immer mit neuen Schulden einhergeht. Denn der grösste Teil des in Umlauf befindlichen Geldes wird heute durch Geschäftsbanken mittels Kreditvergabe erzeugt. Warum überlassen wir eine so zentrale Aufgabe wie die Versorgung der Gesellschaft mit dem öffentlichen Gut «Geld» den privaten Banken? Hier wird es notwendig, eine dritte Forderung zu stellen, welche die beiden oben genannten ergänzt: die schuldfreie Herstellung von neuem Geld im Interesse der Allgemeinheit. Dies wäre der Fall, wenn neues Geld nicht mehr über private Banken mit Schulden erzeugt, sondern über die Schweizerische Nationalbank an den Bund, die Kantone oder direkt an die Bürger ausgeschüttet würde. Eine schuldenfreie Geldemission würde so langfristig zu einer erheblichen Verringerung der allgemeinen Verschuldung führen. Dies schlägt die Vollgeldinitiative vor, über die bald abgestimmt wird. Und bis wir über die Einführung einer angemessenen Vermögenssteuer oder die eines Schuldenschnitts abstimmen können, sollten wir uns unbedingt für diese dritte Forderung starkmachen.

Thierry Lustenberger, per E-Mail

Rückbesinnung auf Marx?

Arbeit und Gesundheit: «Marx auf Besuch im Heute», WOZ Nr. 17/2017.

Adrian Riklin versucht sich an einem programmatischen Leitartikel und referiert dafür auf Marx. Sicher, der würde staunen, wenn er, wundersam reanimiert, durch die heutige Welt streifen würde. Vielleicht würde er sich dann aber auch fragen: Von welchem Menschenbild bin ich seinerzeit ausgegangen, und muss ich es vielleicht revidieren? Was könnte eigenverantwortliches Handeln bewirken und was nicht? Haben heutzutage überhaupt alle Zugang zu eigenverantwortlichem Handeln, und falls nicht: Was setzt es voraus? Und wenn ein minimaler Konsens darüber besteht: Was muss sich ändern, damit möglichst viele möglichst frei handeln und arbeiten können? Was für Menschen braucht es dafür, und kann es sie überhaupt geben? Da alle diese Fragen in Riklins Beitrag weder gestellt geschweige denn beantwortet werden, frage ich mich, was er uns wohl sagen wollte. Rückbesinnung auf Marx, und alles wird gut? Ich hoffe nicht.

Jürg Luginbühl, Adliswil

Bürger statt Bonzen!

«Sozial ist diese Wende nicht», WOZ Nr. 15/2017, und «Ein Ja, das verpflichtet», WOZ Nr. 19/2017.

Offenbar holt das Nein-Lager auf – so liest man überall. Also habe ich mich umgehört, warum das so ist: Viele haben Angst, etwas Falsches zu tun, und glauben, mit einem Nein bleibe alles beim Alten und man könne für nichts verantwortlich gemacht werden. Das stimmt aber nicht. Eine Energiezukunft wird es nur geben, wenn wir in fünfzig Jahren ganz auf Erneuerbare zurückgreifen können, und das wird nur passieren, wenn wir heute mit dem Ausbau beginnen, und das wiederum geht nur mit einem Ja am 21. Mai! Nichts tun bedeutet, weiterhin die Macht ein paar wenigen Bonzen zu überlassen, statt sie dezentral auf uns Bürger zu verteilen. Es bedeutet keine effizienteren Geräte, Gebäude oder Autos. Und es bedeutet weniger einheimische Energie und mehr Geld in den Nahen Osten für Energieimporte. Die Mitverantwortung, wenn Schurkenstaaten stärker werden, trägt dann jeder Nein-Sager. Wäre eigentlich unverzeihlich – den einzigen Trost finden wir Gutbürger dann wohl nur im Spruch «Denn sie wissen nicht, was sie nicht tun». Also unbedingt JA stimmen.

Daniel Heusser, Novaggio