Nr. 26/2017 vom 29.06.2017

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Getrennte

Die SAC-Zeitung «Die Alpen» lehrte uns die deutsche Bezeichnung für «Séracs», inklusive Trennung; es sind «Ei-stürme auf Gletschern». Diese erheben sich üblicherweise in der Nachosterzeit und behindern Gletscherwanderungen durch hinterlassenen Ei-schnee oft bis in den Sommer hinein. Die Hitzewelle der letzten Wochen hat die Ei-masse jedoch gestockt. Jetzt kann sie als Rühr-ei konsumiert werden.
Karin Hoffsten

Beschützte

Letzte Woche suchte SVP-Nationalrat und Fuhrunternehmer Ulrich Giezendanner mithilfe der Polizei nach seinem Handy. Wie der «Blick am Abend» berichtete, pflegt der Mann auch mit seinen Fahrzeugen ein so enges Verhältnis, dass sie nie allein bleiben dürfen: «Das Auto lag die ganze Zeit im Auto seiner Frau.»
Karin Hoffsten

Ungebeugte

«Oikocredit ermöglicht die soziale Kreditvergabe in Entwicklungs- und Schwellenländern», heisst es im Internet. Doch nachdem das Institut für Banking und Finance der Universität Zürich unserem Leser B. geschrieben hatte: «Zu dem Zeitpunkt, als Sie letztmalig erwägt haben, einen Geldbetrag bei Oikocredit anzulegen (…)», erwog dieser, eine grössere Summe in Deutschnachhilfestunden der Institutsmitarbeitenden zu investieren.
Karin Hoffsten

Atemholende

«Liebe Raucherinnen und Raucher, der Hauseingang wird nicht nur von Ihnen, sondern auch von den Nichtrauchern benutzt, welche immerhin 72 % der Schweizer Bevölkerung ausmachen», lasen wir auf einem Schild, das des Weiteren die Angesprochenen aufforderte, ihrer Sucht «links und rechts um die Ecke» zu frönen. Was diese wohl gerne befolgten, denn 72 % der Bevölkerung im Hauseingang, das macht die Luft auch nicht besser.
Jürg Fischer

Insuffiziente

Bis die Welt eines Tages gänzlich uniform geworden sein wird, geniessen wir die Berichte aus fernen Ländern, auch wenn sie möglicherweise wichtige Silben vermissen lassen, wie dieser Satz des Chinakorrespondenten im «Tages-Anzeiger»: «‹Wir rennen ständig mit Erkältung, Fieber oder Blasentzündung herum›, hatte mir einmal ein Hongkonger Urologe erzählt.» Wie er sich Letztere zuzieht, möchten wir gar nicht wissen.
Jürg Fischer

Übersichtliche

Auch die «Süddeutsche Zeitung» versucht, die Rätsel des Fernen Ostens sprachlich auszudrücken: «Wang ist Xi Jinpings rechte Hand und übersieht die Antikorruptionskampagne im Land.»
Karin Hoffsten

Militantenhafte

Mit unbotmässigen Wortbestandteilen müht sich auch die NZZ hinsichtlich des G20-Gipfels in Hamburg ab: «Dazu will die zur Schau gestellte Militanz jedenfalls nicht passen. Man anerkenne das staatliche Gewaltmonopol nicht an, erklärt Blechschmidt.» Klarer Fall von Nichterkennung der Ananerkennung. Ein anderer Geschäftsmann wird «sein Restaurant wie fast jeder Gewerbetreibende in der Hafen-City schliessen, und er ist wütend über die Umsatzbussen: ‹Jeder, der hier lebt oder arbeitet, stellt sich diese eine Frage: Muss das sein?›». Zuerst wäre in der Tat eine Ordnungsbusse für die Presse angebracht.
Jürg Fischer

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