Nr. 36/2017 vom 07.09.2017

Von Kaspar Surber

Unverschämte Leichtigkeit

Das Zürcher Perlaton-Musikfestival findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Dieses Mal hat es im Stall 6 Gastrecht erhalten. So bewegungsfreudig wie das Festival wirkt sein Programm: Es lädt zu einem ausgedehnten Ausflug durch die Schweizer Rock- und Elektroszene, in der offenkundig beste Laune herrscht. Auftreten werden etwa Alois aus Luzern, deren Single «Flowers» in ihrer Leichtigkeit an den norwegischen Feelgoodmeister Erlend Oye erinnert. Derweil Alois im Clip durch Wälder flaniert und auf Bäume klettert, trifft man sich mit Soybomb vor einer Agglotankstelle: Das Zürcher Trio führt dort komische Tanzschritte auf, wie sich auch seine Musik nicht vor sich selber schämt. Erfreulich unterproduziert ist dieser Psych-Rock, der auch einmal von kreischenden Gitarrenriffs durchbrochen wird. Eine Entdeckung! Etwas feiner, aber nicht weniger tanzbar geht es beim St. Galler Wassily zu. Der Sänger von Dachs spielt elektronischen Dreampop.

Perlaton-Musikfestival in: Zürich Stall 6, Gessnerallee, 14.–16. September 2017. www.perlaton.ch

Digitales Unbehagen

25 Jahre ist das World Wide Web mittlerweile alt. Je stärker es den Alltag durchdringt, umso grösser wird das Unbehagen: über die Macht der grossen Konzerne sowie der Geheimdienste. Das Kunsthaus Langenthal beschäftigt sich mit diesem Unbehagen. Gezeigt werden über dreissig Arbeiten, die kritisch auf die Kommerzialisierung und die Restriktionen des Web antworten. Elisa Giardina Papa etwa hat die verborgene Arbeiterschaft des Digitalen interviewt, darunter einen Onlinedatingcoach. Julian Oliver bekämpft mit einer Transparenzgranate die Intransparenz von Unternehmen. James Bridle wiederum sperrt ein selbstfahrendes Auto in einen magischen Kreis. Selbst aktiv werden kann das Publikum am 14. Oktober, wenn es einen Tag rund um Privatsphäre, Sicherheit und Mitbestimmung in der digitalen Welt gibt.

«Raus aus dem digitalen Unbehagen» in: Langenthal Kunsthaus, bis 12. November 2017. www.kunsthauslangenthal.ch

Rhythmische Webmaschinen

Der feuchte Webkeller, das helle Sticklokal, Fabrikbauten, Werksiedlungen und Herrenhäuser: Die Baukultur im Toggenburg und die Geschichte der Textilindustrie sind eng miteinander verbunden. Die Ausstellung «iigfädlet» im Museum Ackerhus in Ebnat-Kappel geht dieser Verbindung nach. Am Freitag wird im Museum der Rhythmus der Webmaschinen erklingen. Die Gruppe Windbläss spielt das Stück «in C» des minimalistischen Komponisten Terry Riley aus den USA, das 1964 uraufgeführt wurde. Peter Weber und Jost Kirchgraber lesen im Maschinentakt eigene Texte sowie solche von Ulrich Bräker live zur Musik.

«Terry Riley ‹in C›» in: Ebnat-Kappel Ackerhus, Fr, 8. September 2017, 20 Uhr.

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