Nr. 41/2017 vom 12.10.2017

Von Daniela Janser

Unerforschte Bildwelten

Sie schauen melancholisch auf einen Punkt irgendwo im Leeren, ausserhalb des Bildes, jenseits des Films, in dem sie spielen. Wenn der Zürcher Künstler und Bilderschürfer Matthias Gabi für seine seit 2011 laufend ergänzte Werkreihe «Filmstill» die Stars aus Spielfilmen und Serien zum Stillstand bringt, katapultiert er sie zugleich in eine neue Dimension: Sie streifen ihre filmische Herkunft ab und verbünden sich in Gabis Auswahl und Aneinanderreihung zu einer bestechenden neuen Ordnung des Sehens. Man kann in diesen Bildern nichts weniger als das optische Unbewusste des Films selbst erkennen, wie der Filmwissenschaftler Johannes Binotto in seinem Essay zu «Filmstill» schreibt. Wir sehen aufblitzende Momentaufnahmen, die einem beim normalen Betrachten der Filme wohl kaum aufgefallen wären. Was einen aber zuallererst anspringt, wenn man vor diesen projizierten, künstlich arretierten «Augenblicken» steht, ist die bodenlose Verlorenheit, die die Gesichter auf diesen Einzelbildern ausstrahlen. Sie lässt das Filmtitel- und Starnamenraten in den Hintergrund treten. Und man beginnt zu ahnen, dass hinter den Oberflächen von bekannten und weniger bekannten Filmen noch weitere unentdeckte Bildwelten warten, die wie ein Schatz gehoben werden könnten.

Matthias Gabi: «Filmstill» in: Kreuzlingen Kunstraum, Bodanstrasse 7a. Bis 7. Januar 2018. Fr 15–20 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr. www.kunstraum-kreuzlingen.ch

Durchbruch mit fünfzig

Frauen über fünfzig hätten es im Hollywoodsystem schwer, liest man immer wieder: Sie müssten sich entweder auf zunehmend lächerliche Weise verjüngen – oder sie würden schlicht unsichtbar. Die US-Schauspielerin Robin Wright hat diese vermeintlich kritische Grenze letztes Jahr überschritten. Doch ihre Karriere hat seither erst recht an Schub- und Strahlkraft gewonnen, aktuell etwa mit einem Part in «Blade Runner 2049». Das alles ist nicht zuletzt ihrer Rolle als ambitionierter, eisig kluger Politikergattin in der Netflix-Serie «House of Cards» geschuldet. Über mehrere Staffeln hat sie dort ihren ursprünglich viel bekannteren Kostar Kevin Spacey lustvoll an die Wand gespielt. Ihre letzten Worte zum Ende der neusten Staffel: «My turn!» (Jetzt bin ich dran!). Für alle, die wissen wollen, wie sich Robin Wrights Kinorollen vor, während und nach ihrem stilbildenden Auftritt in «House of Cards» entwickelt haben, hat das Zürcher Kino Xenix eine umfassende Filmauswahl aus ihrer über dreissigjährigen Schauspielkarriere zusammengestellt.

Retrospektive zu Robin Wright in: Zürich Kino Xenix. Detailliertes Programm bis Ende Oktober 2017: www.xenix.ch.

Algorhythmus

Viele reden von Algorithmen, aber nur die wenigsten wissen, wie sie funktionieren. Da kommt «ein Abend über den Umgang mit Algorithmen in Musik und Gesellschaft» gerade recht. Die Internationale Gesellschaft für Neue Musik lädt ein: zuerst zu einem Konzert mit drei MusikerInnen, dann zu einem Gespräch, bei dem das Publikum Fragen und Gedanken beisteuern soll. Der Abend steht im Zeichen der grossen Frage nach dem Spielraum menschlichen Handelns in algorithmisch organisierten Zusammenhängen. Mit seinem Mischverhältnis aus menschlicher Innovation und digital verschalteten, aber analog erzeugten Klangmodulationen soll das Konzert gewissermassen als musikalischer Stichwortgeber dienen für die anschliessende, vorläufig rein humane, Diskussion zur alten Schnittstelle Mensch/Maschine.

«Wrestling with the Algorithm» in: Bern Aula im Progr, Do, 12. Oktober 2017, 19.30 Uhr.

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