LeserInnenbriefe

Nr. 47 –

Tessiner Triebfedern

«Impfstoffknappheit: Die Tollwut und der Markt», WOZ Nr. 46/2017

Ich war dreissig Jahre Allgemeinpraktiker im Tessin, ab den achtziger Jahren Schularzt und Bezirksarzt. Als Schulärzte bekamen wir die Impfstoffe direkt vom Kanton, die Impfungen waren für die Schüler gratis, wir erhielten als Entschädigung 2000 Franken pro Jahr sowie zwei Franken für jede Impfung. Natürlich war die Bezahlung vom Kanton miserabel, verhalf uns aber zu neuen Patienten in der Praxis. Der Kanton kaufte die Impfstoffe en gros ein und erhielt so Rabatte um die 60 Prozent. Die Durchimpfungsrate bei DTP (Diphtherie – Tetanus – Keuchhusten) lag bei über 90 Prozent, bei MMR (Masern – Mumps – Röteln) bei über 80.

Mit Ankunft des neuen Kantonsarztes, des Sozial- und Präventivmediziners Dr. I. Cassis, wurden wir nach und nach abgeschafft. Die Verantwortung für die Untersuchungen der Kinder (Gehör, Sehvermögen, Rückenprobleme) und der Impfungen wurde an die privaten Kinderärzte delegiert, also privatisiert, und die Untersuchungen gingen in der Folge nicht mehr zulasten des Kantons, sondern zulasten der Krankenkassen. So wundert mich eigentlich gar nichts mehr. Die Pflichtlager bezahlen wir ja selbst, die gestiegenen Krankenkassenprämien sowieso, und eine der Triebfedern für diese Entwicklung im Tessin sitzt ja jetzt im Bundesrat …

Christophe Weber, per E-Mail

Freude am Beruf

WOZ-Beilage Bildung : «Der eigene Bildungsweg», WOZ Nr. 46/2017

Nach der Lektüre der Bildungsbeilage sehe ich mich wieder einmal im Eindruck bestätigt, dass man als Berufsmann mit einer handwerklichen Ausbildung in der heutigen Gesellschaft nur belächelt wird – leider auch bei der WOZ. Das Ziel von Arbeiterkindern, einen akademischen Abschluss zu erreichen, sagt auch viel aus … Ich werde in meinen letzten Arbeitsjahren trotzdem mit Freude meinen Beruf als Elektriker weiter ausüben, aber jedem jungen Menschen raten, keine Berufslehre zu absolvieren. Bei der Stellensuche nach dem Studium werdet ihr diese Menschen dann sicher unterstützen.

PS: Das Inserat der UBS auf der letzten Seite habe ich gesehen. Es ist zum Heulen, lachen kann ich darüber nicht.

Johann-Ulrich Hofstetter, per E-Mail