Nr. 49/2017 vom 07.12.2017

Von Karin Hoffsten und Jürg Fischer

Kahlkulierende

Die «NZZ am Sonntag» berichtete: «Gesundheitlich kann eine Glatze auf ein erhöhtes Risiko für eine Herzerkrankung bedeuten.» Aus eigener Betroffenheit wissen wir schon länger: Wes der Kopf kahl ist, des geht das Herz über. Nun können wir ergänzen: Wer den Satz umstellt, sollte keine halben Sachen machen.
Jürg Fischer

Ungeeignete

Im Bericht über den Kriegsverbrecher Slobodan Praljak hielt der «Tages-Anzeiger» fest: «Im Berufungsurteil heisst es, Praljak treffe keine Schuld für die Zerstörung der Brücke, denn sie sei ein legitimes militärisches Ziel gewesen.» Wir danken an der interessanten Information.
Karin Hoffsten

Verdrehte

Nicht nur die Schweizer «Weltwoche», auch die österreichische «Kronen Zeitung» hat ihre besonderen Helden. In deren Rubrik «Klartext» titelte der Kolumnist: «Selbstmord eines Kriegsverbrechers: Starker Abgang wie einst von Göring». Nur bezüglich der letzten Örtlichkeit übertraf Praljak sein Vorbild: «Er starb im Spiral.»
Karin Hoffsten

Tierische

Gänzlich harmlos hingegen schien uns bis anhin der Bluesmusiker, unter dessen Bild der «Blick» diese Titelschlagzeile setzte: «Philipp Fankhauser ist ein verrückter Hund», unmittelbar gefolgt von: «Jagd auf den Katzenköpfer». Offenbar haben alle Menschen ihre dunklen Geheimnisse.
Karin Hoffsten

Linksextremistische

Auch in den «St. Galler Nachrichten», deren neuer Eigentümer Altbundesrat Blocher ist, gibt es eine Ratgeberrubrik. Kürzlich fragte ein Mann ohne Ausbildung, wie er sich am lukrativsten selbstständig machen könne. Der namenlose Ratgeber leuchtete dem Ratsuchenden erst mal gründlich heim, weil er nichts gelernt habe, und schrieb dann: «Oder ich begleite dich zum RAF, vielleicht findet sich dort etwas für dich.» Abgesehen davon, dass es die RAF beziehungsweise Rote Armee Fraktion heisst, erstaunt uns der Tipp in diesem Blatt. Sollte der Ratgeber hingegen die Royal Air Force gemeint haben, räumen wir dem Kandidaten ebenso wenig Chancen ein.
Karin Hoffsten

Extrahierte

Es geht nichts über klug gewählte Titel und Untertitel. Diese hier fanden wir in der NZZ: «Zahl der Muslime in Europa wächst markant – Prognosen für das Jahr 2050». Eieiei, das kann ja heiter werden, dachten wir, bis wir im Artikel auf den Satz stiessen: «Die Pew (Research Center)-Forscher räumen ein, dass ihre Modellrechnungen keine Prognosen seien und daher nicht für bare Münze genommen werden könnten.» Nun wissen wir: Zumindest bei der NZZ ist es schon heiter.
Karin Hoffsten

Schwierige

«‹Halbe Sachen›, jede weitere Anhängigkeit von der EU, lehnte May ab», hiess es kürzlich im «Tages-Anzeiger» über das Gewurstel der britischen Premierministerin. Da hätte sie natürlich recht, denn Anhängigkeit meint in der Jurisprudenz, dass ein Gericht mit der Klage befasst ist, und so weit ist es ja zum Glück noch nicht. Wir vermuten eher, dass hier der Graben zwischen Abhängig- und Anhänglichkeit elegant überbrückt werden konnte.
Karin Hoffsten

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