Nr. 01/2018 vom 05.01.2018

Von Jürg Fischer

Endlose

Man muss nicht Psychologie studiert haben, um unfreiwillige Vorboten einer dubiosen Zukunft als solche zu erkennen. So waren vor kurzem auf jobs.ch Stellenanzeigen für eineN «Musikredaktor/in» sowie für eineN «Leiter/in Abteilung Digital/Technologie» ausgeschrieben, beide Posten waren beim «Schweizer Radio und Fernseh» zu besetzen. Was auch immer «No Billag» mit unserem Service public anstellt, wir konstatieren: Der Abbau hat längst begonnen.

Hippologische

Der Vorteil der Onlinemedien ist, dass sie einmal «Gedrucktes» problemlos korrigieren können. Der Aufmerksamkeit von Leser S. verdanken wir den Hinweis auf diese Stelle auf watson.ch: «Nikotin, Fast-Food, Social Media: Mark Zuckerberg hat ein süchtig machendes Monster geschaffen. Im Zaun halten will er es nicht.» Inzwischen hat die Redaktion den Pegasus eingefangen und an den Zaum gelegt.

Rechthaberische

Nicht nur Social Media, auch die Transzendenzbedürfnisse sind nicht zu bremsen. Die «NZZ am Sonntag» schrieb: «Seit die Kirchen in der hochindividualisierten Gesellschaft an Haftkraft verlieren, verschaffen sich die Transzendenzbedürfnisse nun eben anders zu ihrem Recht.» Typisch Sinnsuche: Wenn dabei auch die Sprache transzendiert, was solls.

Provinzielle

Interessante Dunkelziffern präsentierte uns der «Tages-Anzeiger»: «67,1 Prozent der Zürcherinnen und Zürcher leben in Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern und dadurch in urbaner Umgebung. Die Anteile dieser Städte an der gesamten Zürcher Bevölkerung beträgt 18 Prozent.» Irgendwie gibts da eine Überbelegung in den städtischen Wohnungen. Oder nicht jedeR ZürcherIn ist ordentlich gemeldet. Oder «urban» ist einfach etwas viel Grösseres als «städtisch».

Tiefliegende

Wer etwa meint, die sorgfältig dargebotene Information sei bei den nichtstaatlichen Medien bestens zu Hause, musste sich über die vergangenen Tage und Wochen vielfach eines Besseren belehren lassen. Der «Tages-Anzeiger» zum Beispiel liess «Die zwölf stärksten Geschichte des vergangenen Jahres» Revue passieren und meldete an anderer Stelle: «In Zürich sind verschiedene Buslinie ausgefallen.» Darunter der Plural, der uns sicher ans Ziel gebracht hätte.

Die «NZZ am Sonntag» kolportierte hingegen: «Dass Slobodan sie vom Flughafen abholt, damit hat Marija nicht gerechnet. Doch der steht mit grossen Pläne für drei Tage da.» Wahrscheinlich ist er Architekt.

Und auch dies darf nicht verschwiegen werden: «Als offizieller Grund für die Schwierigkeiten nennt die Umweltorganisation einen Rückgang bei den Spenden. Doch die Probleme liegen tiefer.» Wer nennt sie beim Namen? Genau, die WOZ, die dies schrieb.

Aber wer wird es denn künftig noch allzu genau nehmen? Vielleicht der «Tages-Anzeiger», obwohl: «Doch der Verfassungsauftrag, flächendeckend viersprachig zu informieren und zu bilden, hält er für nicht mehr zeitgemäss.»

Und das meinte das TV-Programm: «In Schipslaune geht Dr. Pfeiffer eine Wette ein.» Wir auch, es geht weiter – und wünschen Ihnen ein beschipstes Jahr.

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