Nr. 06/2018 vom 08.02.2018

Verlorene Frauengeschichte

«Ursula K. Le Guin: Radikale Fantasien», WOZ Nr. 5/2018

Können Sie mir erklären, warum diese Autorin, die es als einzige Frau zu Lebzeiten geschafft hat, in die renommierte Library of America aufgenommen zu werden, von Daniela Janser nur in einem eine Achtelseite grossen Text ohne Foto gewürdigt wurde? Demgegenüber haben männliche Musiker in der gleichen Ausgabe drei ganze Seiten erhalten. Ein einzelnes Foto der abgebildeten Männer ist schon grösser als der Text über die US-Science-Fiction-Autorin Ursula K. Le Guin.

Interessant ist, dass auf der gleichen Seite das Buch «Die Mutter aller Fragen» von Rebecca Solnit besprochen wird. Darin erfahre ich, dass es verschiedene Varianten gibt, wie Frauen ihrer Stimme und damit ihres gleichberechtigten Existenzrechts beraubt werden. Die WOZ-Berichterstattung in diesem Themenbund ist eine davon. Auf diese Art geht Frauengeschichte immer wieder verloren.

Als Redaktionsverantwortliche hätte ich die Journalistin beauftragt, einen angemessenen Artikel über Le Guin zu verfassen. Vielleicht wird das noch nachgeholt?

Ruth-Nunzia Preisig, Chur

Reinste Spekulation

«Unia: Der ungemütliche Angeschuldigte», WOZ Nr. 2/2018

Missbraucht die Unia einen Korruptionsfall für harte Repression? Die WOZ schreibt über den Korruptionsfall bei der Arbeitslosenkasse Unia im Waadtland und strickt dabei eine Story, in der der Eindruck entstehen soll, dass die Unia den Fall nur als billigen Vorwand nutzte, um einen angeblich nicht gefügigen Sekretär namens Haziri zu entlassen. In ihrer «Beweisführung» bewegt sie sich auf ganz dünnem Eis.

Weil die Beweisführung so dürftig ist, bastelt die WOZ an einer plumpen David-Goliath-Geschichte. Sie schreibt, dass sich die Unia bei Roman Burger wegen sexueller Belästigung einer Frau (die WOZ spricht inzwischen bereits in der Mehrzahl von Frauen) ursprünglich nur zu einer Ermahnung durchgerungen habe – sozusagen wider Willen. Die WOZ unterschlägt, dass die Unia in diesem Fall korrekt die Empfehlung einer auf sexuelle Belästigungen spezialisierten Institution umsetzte, der sie den Fall Burger zur Untersuchung übergab. So wird die ganze Korruptionsgeschichte zu einem Kampf des kleinen Haziri gegen den grossen Burger und sein angebliches Machtkartell ge- oder besser verdreht. Dass die Unia sicher keine Details dazu nach aussen tragen darf wegen gesetzlichen Daten- und Persönlichkeitsschutzes, nützt die WOZ schamlos für ihre rein spekulativen Behauptungen aus. Ob die Unia in diesem konkreten Fall korrekt gehandelt oder überreagiert hat, ist reinste Spekulation bis zu einem abschliessenden Gerichtsurteil, wie die WOZ im letzten Abschnitt selber eingestehen muss. Es ist jetzt schon das wiederholte Mal, dass die WOZ gegen eine Gewerkschaft in grosser Aufmachung schreibt.

In einem Fall wenigstens, bei einem bösartigen Artikel gegen Syndicom, fühlte sich die WOZ nach Protesten bemüssigt, eine Entschuldigung zu publizieren – aber nur in einer ganz kleinen Schrift, sodass sie von der Leserschaft bestimmt übersehen wurde …

Christoph Lips, Zürich

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