Nr. 09/2018 vom 01.03.2018

Von Jürg Fischer und Karin HoffstenMail an AutorIn

Kunstsinnige

Als wir die Push-Nachricht von Swisscom – «Artische Gefühle kommen bespielsweise auf den Napf auf» – erhielten, wussten wir, das sind mal keine Fake News. Die bibbern wirklich und halten sich nicht lange mit dem Verfassen auf.
Jürg Fischer

Narrative

Laut jobs.ch sucht das «Eidgenössiche Institut für Geistiges Eigentum» eineN «Content Specialist und Storyteller» sowie eineN «Content Manager». Sorgen macht uns weniger, dass das Eidgenössische Institut hier schon leicht reduziert daherkommt, sondern dass es offensichtlich auf die fünfte Landessprache zurückgreifen muss, um seine Stellen zu besetzen. Da es uns in derselben an genaueren Kenntnissen fehlt, nehmen wir an, dass der Storyteller für Vollbeschäftigung im Amt sorgt, indem er oder sie laufend neues geistiges Eigentum produziert.
Jürg Fischer

Gleichgestellte

«Weil ich ein Mädchen bin», schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» nach dem CDU-Parteitag unter ihr Titelfoto mit Angela Merkel und drei CDU-Politikerinnen. «Könnte bitte eine Politikerin einmal ihren Nachfolger öffentlich ‹mein Junge› nennen», twitterte daraufhin eine Frau. Sie erwarte, dass die FAZ dreissig Jahre später «diesen Mann – selbst wenn er Bundeskanzler wird – mit Junge tituliert und seine Kollegen Minister dazu». Dem ist nichts hinzuzufügen.
Karin Hoffsten

Waghalsige

Ein Satz des Feuilletonchefs in der NZZ – «Hegel und Kojève wogen sich tatsächlich in der Gewissheit, dass die Geschichte an ihr Ende gekommen sei» – bewog zwei WOZ-Leser, uns zu schreiben. Einer verlieh dem Hinweis gar mit einer Anekdote Gewicht: Kommt ein Kunde aus der Romandie in eine Deutschschweizer Post und fragt die Angestellte: «Haben Sie eine Wiege? Ich möchte etwas wagen.»
Karin Hoffsten

Aufgeklärte

In der «Schweiz am Wochenende» erkannte jemand hellsichtig: «Mittlerweile gibt sich doch jede Partei einen politischen Anstrich.» Sehr erfreulich, wo sich Parteien doch bisher gern auf gemeinsames Puddingkochen und Motorradfahren beschränkten.
Karin Hoffsten

Gräuliche

«Wir lüften das Lohngeheimnis der Götter in Halbweiss», verhiess der «Rundschau»-Moderator in der «Tagesschau». Leider blieb in der Sendung selbst eine wichtige Information unter dem Teppich: Wieso werden in Schweizer Spitälern die Kittel nicht weiss? Wer wäscht falsch? Wurden die Waschmittellieferungen öffentlich ausgeschrieben? Wir empfehlen eine PUK und bleiben dran.
Karin Hoffsten

Listige

Am Zuger Strafgericht findet demnächst ein Prozess statt, in dem verhandelt wird, ob die Angeklagte «wider besseren Wissens» jemanden beschuldigt habe – was viele Medien in Anführungsstrichen zitierten. Wir vermuten eine Aktion im Rahmen der «Mach den Genitiv wieder stark!»-Kampagne, konnten aber bis Redaktionsschluss nicht klären, ob sich die AktivistInnen in diverse Redaktionen oder ins Gerichtssekretariat eingeschlichen hatten.
Karin Hoffsten

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