Nr. 10/2018 vom 08.03.2018

Orpheus in der Fabrik

Dieses Mal ist Orpheus nicht allein, wenn er, wunderschön singend, in die Unterwelt hinabsteigt, um seine tote Geliebte Eurydike wieder heraufzuholen. Dieses Mal begleitet ihn eine ganze Schar von MusikerInnen – so jedenfalls wollen es der Komponist Dominique Girod und der Librettist und Regisseur Corsin Gaudenz in ihrem neuen Musiktheater «Orpheus». Der antike Sänger stand schon häufig Pate, wenn es darum ging, das Genre Oper zu erfinden und neu zu erfinden, denn er muss ja singend handeln.

Am allerersten Meisterwerk der Operngeschichte, Claudio Monteverdis «Orfeo», entzündete sich nun auch die Inspiration der Freien Oper Zürich, und so erzählen sie die Geschichte neu: Eine Spielleiterin (Denise Wintsch) führt durch den gut zweieinhalbstündigen Abend und schickt jeweils eine Sängerin oder einen Sänger oder gleich mehrere samt Begleitensemble auf die Reise. Die Handlung bleibt immer wieder in emotional starken Bildern stehen und fängt so die inneren Stimmungen der ProtagonistInnen ein. Es gibt keine herkömmliche Rollenverteilung, jeder und jede schlüpft in jede Rolle. Manche Szene gleicht eher einem Ballett mit obligatem Gesang, fein und lebhaft begleitet von komponierten und teilweise auch improvisierten Klängen.

«Orpheus» in: Zürich Rote Fabrik, Do–Sa, 8.–10. März 2018, Do–Sa, 15.–17. März 2018, 20 Uhr; So, 11. März 2018, 18 Uhr; Basel Gare du Nord, Di/Do, 20./22. März 2018, 20 Uhr. www.freieoper.ch

Thomas Meyer

Öl, Schweiss und Tränen

Er war noch keine 28 Jahre alt, als er erstmals für den Oscar nominiert wurde, für das Drehbuch zu «Boogie Nights» (1997), seiner ausschweifenden Saga über die Pornobranche. Zwanzig Jahre und acht Nominierungen später wartet Paul Thomas Anderson («Magnolia») immer noch auf einen Academy Award, auch mit seinem trügerisch distinguierten Liebesfilm «Phantom Thread» ging er jetzt wieder leer aus. Andere waren halt immer näher am Zeitgeist, er dagegen ging einfach seinen Weg, ein Eigenbrötler des Kinos, der sich nie um Trends kümmerte. Man muss sich nur mal seinen sperrigen Erdölwestern «There Will Be Blood» (2007) ansehen, der als Showdown zwischen den zwei grossen Glaubenssystemen der US-Gesellschaft angelegt ist: Religion und Kapitalismus – zwei Kräfte, die er dann in «The Master» (2012) in der Person eines Sektengründers fusionierte. Es sollte die letzte grosse Rolle für seinen langjährigen Freund und Lieblingsschauspieler Philip Seymour Hoffman sein.

Im Stadtkino Basel sind jetzt alle Spielfilme von Paul Thomas Anderson zu sehen, dazu der Dokumentarfilm «Junun» (2015), in dem er Johnny Greenwood auf eine musikalische Reise nach Indien begleitet – der Gitarrist von Radiohead ist seit «There Will Be Blood» sein Hauskomponist. Ergänzt wird die Reihe um ein paar Klassiker, die durch Andersons Filme geistern, von Hitchcocks «Rebecca» bis «Playtime» von Jacques Tati.

Paul Thomas Anderson in: Basel Stadtkino, bis 31. März 2018. Genaues Programm: www.stadtkino.ch.

Florian Keller

Betrunken im Fernen Osten

Die Drei – das sind die Sängerin Leonie Althaus, die Trompeterin Sonja Ott und die Kontrabassistin Johanna Pärli. Kennengelernt haben sich die drei Musikerinnen an der Jazzschule in Bern, nun sind sie als Trio mit ihrer ersten CD «Plankton» unterwegs. Die Songs, eine Mischung aus Pop und Jazz, tragen Titel wie «Rösti» oder «Betrunken im Fernen Osten».

Die Drei in: Bern Café Kairo, Fr, 9. März 2018, 21 Uhr; Zürich Café Maximilian, So, 18. März 2018, 20 Uhr.

Silvia Süess

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch