Nr. 13/2018 vom 29.03.2018

Von David Hunziker

Potente Symbole

Oft totgesagt, bleiben Denkmäler potente Symbole. Beim kürzlich erfolgten Einmarsch in Afrin machten sich die türkischen Truppen umgehend an die Zerstörung eines Denkmals für den kurdischen Helden Kawa. Als in den Südstaaten der USA im Herbst 2017 Statuen von Konföderierten-Generälen von ihren Sockeln gestossen wurden, löste das heftige Debatten aus. Und in Paris werden Grossdemonstrationen magisch angezogen von Marianne, dem Freiheitsdenkmal der Französischen Republik.

Das Symposium «Mit Denkmälern sprechen? Monumente: vergessen und aktuell» nimmt sich nun der Frage nach der andauernden Präsenz und Aussagekraft von Denkmälern an. Die geladenen Gäste aus Kunst und Wissenschaft nehmen dabei insbesondere den künstlerischen Umgang mit Denkmälern und ihre geschlechtliche Dimension in den Blick: ob als Kommentare oder als neue Form öffentlicher Erinnerungskultur. In der Abschlussdiskussion wird schliesslich die Gretchenfrage gestellt: Wie halten wir es heute mit neuen Denkmälern?

Der 200. Geburtstag des Luzerner Löwendenkmals ist zwar erst 2021. Schon letztes Jahr hat die Kunsthalle Luzern jedoch eine vierjährige Aktionszeit rund um den jährlich von 1,5 Millionen TouristInnen besuchten Löwen aus Stein gestartet. Schlusspunkt des Symposiums am Freitag ist eine Besichtigung des Denkmals mit Projektleiter Peter Fischer.

Symposium «Mit Denkmälern sprechen?» in: Zürich Migros Museum für Gegenwartskunst, Do, 5. April 2018, ab 10 Uhr; in: Luzern Hochschule Luzern – Design & Kunst, Fr, 6. April 2018, ab 10 Uhr. Die Teilnahme ist gratis, verbindliche Anmeldung für einen oder beide Tage bis 29. März 2018 an: kunstvermittlung@migrosmuseum.ch.

Schau der Implosion zu

Ob sich der Bandname nun auf ihren Sinn für Retro oder für eklektische Klanggebilde bezieht: I Made You A Tape aus Bern spielen clevere Rockmusik, die mit einer beeindruckenden Palette an Sounds aus Gitarre und Synthesizer fabuliert. Das im letzten Herbst erschienene Album «Proud and Young» führt durch Welten aus psychedelisch verrauchten Texturen und melancholischer Schwärmerei. Das ist kurzweilig, aber auch fesselnd. Live fühlt sich das angeblich so an, als würde man einer Band beim Implodieren zusehen. Fest steht: Es wird eine Weile dauern.

I Made You A Tape in: Zürich Bar 3000, Mi, 4. April 2018, 20.30 Uhr.

Albanisch klingen lassen

Schon wenn das Spoken-Word-Ensemble «Bern ist überall» alleine auftritt, werden die Klänge der französischen und deutschen Sprache vielfältig ausgelotet und mit Musik umspielt. Bei diesem Projekt gehen die acht AutorInnen und vier MusikerInnen noch einen Schritt weiter: Letzten Herbst tourte das Ensemble mit SprachkünstlerInnen und Musikern aus dem Kosovo durch deren Heimatland – nun eröffnet Kosovë is everywhere das Berner Lesefest Aprillen. Teil der illustren Truppe aus dem Kosovo ist etwa die Anthropologin, Schriftstellerin und Aktivistin Eli Krasniqi, die in Pristina und New York studiert hat, oder der Schriftsteller und Komponist Kujtim Paçaku, der im Parlament des Kosovo die Romagemeinschaft vertritt. Ein weiterer Schwerpunkt der diesjährigen Aprillen sind die philosophischen Gespräche mit Annemarie Pieper, Kathy Zarnegin und Jonas Lüscher.

Aprillen – Berner Lesefest in: Bern Schlachthaus Theater, Mi, 4. April 2018, bis Sa, 7. April 2018. Kosovë is everywhere: Mi, 20.30 Uhr, die anderen Tage jeweils ab 18 Uhr.

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