Nr. 13/2018 vom 29.03.2018

Armseliges Völkli

«Schweizer Waffen in aller Welt», WOZ Nr. 9/2018

Herr Bundesrat (sehr geehrter bringe ich nicht über mich – überlasse ich der Waffenlobby), oje, was sind wir doch für ein armseliges Völkli, dessen viel gerühmte freie Marktwirtschaft nur noch überleben kann als Mitwirkung am Elend dieser Welt. Herr Schneider-Ammann, können Sie mir verraten, wie man es aushält, unbeteiligt zuzuschauen, wie Kinder aus Bombentrümmern gezogen werden, wie Mütter schreien und verstümmelte Menschen in überfüllten Notstellen landen? Wie junge Menschen, als Zwangssoldaten in Erfüllung ihrer vermeintlichen Pflicht, in den Tod rennen? Herr Bundesrat, Sie wissen so gut wie ich, dass auch Schweizer Waffen in Syrien und im Jemen zum Einsatz kommen.

Wahrlich, Herr Schneider-Ammann, Sie machen Ihrer Partei, die immerhin Liberalität und soziale Verantwortung auf ihre Fahne schreibt, keine Ehre. Von aussen gesehen wirkt Ihre Erscheinung gewiss fast ein wenig väterlich, in gut meinender, beständiger Schweizer Art. Ich bin zwar nur eine uralte, unbedeutende graue Maus ohne gekrönten Lebensweg. Aber immerhin bin ich dreifache Mutter, fünffache Grossmutter und bereits dreifache Urgrossmutter. Das ist doch auch nicht wenig, oder? Wenn noch die etlichen hilfesuchenden Schützlinge auf meinem Lebensweg dazu gezählt werden, gibt es für mich den unabdingbaren Auftrag, dieses Reich und damit auch andere zu schützen und auf meine Art zu verteidigen. Mittel und Wege dazu werde ich immer finden. Ich muss nicht um Verständnis bitten.

Für Ostern wünsche ich, dass viele Menschen aus der geistigen Trägheit und Gleichgültigkeit erwachen und aufstehen gegen Gewalt, Unrecht und das Elend dieser Welt.

Louise Schneider-Rüedi, Liebefeld

Ganz verzichten

«Zürich, hör die Signale!», WOZ Nr. 10/2018

Stopp den skrupel- und schamlosen Investitionen der Pensionskasse der Stadt Zürich in die Todesindustrie! Ein gewisser «linker» oder auch «friedenspolitischer» Aufbruch konnte auch schon 2016 in Zürich verzeichnet werden: Seit dem 1. Dezember 2016 investiert die Pensionskasse der Stadt Zürich nicht mehr widerrechtlich in Firmen, die nach dem Kriegsmaterialgesetz «Verbotenes Kriegsmaterial» wie Streumunition, Antipersonenminen, biologische, chemische und Nuklearwaffen (Atombomben) herstellen. Die Pensionskasse der Stadt Zürich hat 33 000 Versicherte und verwaltet ein Vermögen von sechzehn Milliarden Franken.

Zu begrüssen wäre es, wenn jetzt nach dem rot-grünen Wahlsieg in der Stadt Zürich die Pensionskasse ganz auf die skrupel- und schamlosen Investitionen in Firmen verzichten würde, die «normales» Kriegsmaterial herstellen, wie Panzer, Kanonen, Kampfjets, Drohnen, Raketen, konventionelle Bomben, Minen, Granaten, Gewehre und Munition. Die Kriege in Afghanistan, in Syrien, im Irak, in Libyen, in Somalia, im Jemen und in der Ukraine werden mit Waffen ausgefochten von Firmen, in die heute Schweizer Pensionskassen, auch Banken, Versicherungen und die Schweizer Nationalbank ihre Gelder, wie man sagen muss, kriminell anlegen. Über sechzig Millionen Menschen sind heute weltweit vor allem wegen dieser Kriege auf der Flucht, während all die Kriegsgewinnler und die Rüstungskonzerne, hüben wie drüben, frohlocken und riesige Dividenden einstreichen.

Als ehemaliger Delegierter des Schweizerischen Eisenbahnerverbands beim Gewerkschaftskartell in Zürich würde ich es begrüssen, wenn auch unsere SBB-Pensionskasse endlich nicht mehr in Firmen investieren würde, die Streumunition, Antipersonenminen und Atombomben produzieren, und auch nicht in Firmen, die überhaupt Kriegsmaterial herstellen, wie zum Beispiel der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall in Zürich Oerlikon.

Heinrich Frei, Zürich

Demokratisierung vom Mars

«Mit dem Medienfranken gegen Facebook», WOZ Nr. 11/2018

Eine Rückmeldung zur Aussage von Hansi Voigt in der WOZ, die Schweiz lebe seit bald 200 Jahren direkte Demokratie, in der jeder Mann und jede Frau über jedes Thema abstimmten:

1. Es sind noch nicht mal fünfzig Jahre, seit dies für die Frauen gilt! Sofern sie die «richtige» Nationalität haben, denn …

2. … selbst wenn man die Aussage auf die letzten 47 Jahre bezieht, stimmt sie nur für Schweizer und Schweizerinnen – von «Männern und Frauen» (die in der Schweiz leben) kann nicht allgemein die Rede sein. Und das ist doch genau das, was das Modell der direkten Demokratie à la Suisse gegenüber dem auf dem Mars à la Elon Musk ziemlich undemokratisch aussehen lässt. In diesem Sinne hoffe ich weiterhin auf eine baldige zivilisierende Invasion von Marsmenschen.

Tobias Kuhnert, Winterthur

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