Nr. 19/2018 vom 10.05.2018

Von Karin Hoffsten

Sorgenvolle

Laut «Tages-Anzeiger» steht Schloss Eugensberg zum Verkauf: «Dazu gehören Wälder, Seen, Ländereien (…) Momentan sorgt sich ein Gärtner um das Anwesen.» Dem armen Mann bereiten sicher nicht nur Maulwürfe, sondern auch gefrässige Dickmaulrüssler schlaflose Nächte.

Kreierende

«Deswegen schuf er nach dem Krieg auch problemlos den Übergang zu einem respektablen Leben als Arzt», schrieb die «NZZ am Sonntag» über Hans Asperger. Offenbar schaffte der Kinderarzt, der gemäss neuen Erkenntnissen in der Zeit des Nationalsozialismus Kinder in den Tod schickte, ein weit weniger edles Lebenswerk als bisher angenommen.

Flüchtige

«Die Qualität sinkt», liess die gleiche Zeitung den abtretenden Staatssekretär für Bildung, Forschung und Innovation sagen: «Wir wollen mit fähigen Studenten arbeiten, nicht mit einer breiten Masse an jungen Leute, die einfach einen akademischen Abschluss wollen, um Karriere zu machen.» Doch im Gesellschaftsbund derselben Ausgabe konnte das fehlende N zum Glück gleich wieder eingefangen werden: «Männer, die in fortgeschrittenem Alter Söhne zeugen, dürfen laut einer Studie mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zur Kenntnis nehmen, dass es sich dabei um kluge, fokussierten Knaben – um Nerds! – handelt.» Auf Bildungsthemen reagieren manche Buchstaben sensibel.

Gefährliche

Wer zurzeit unter geschwollenen Augen und laufender Nase leidet, ist dankbar für jeden Hinweis. Im Namen seiner LeserInnen fragte also der «Blick» rhetorisch: «Was hilft? Ein Allergie-Blocher aus der Schulmedizin?» Den Tipp sollten Betroffene nur mit grösster Vorsicht ausprobieren, er kann ungeahnte Beschwerden und selbst bei Gesunden akuten Nies- und Juckreiz auslösen.

Einzigartige

«Einer wie Ruedi gibt es viele», wurde im «Tagblatt der Stadt Zürich» festgestellt. Ganz davon abgesehen, dass diese Aussage keinem der uns bekannten Ruedis gerecht wird, hoffen wir, dass sich hier nicht erste grammatikalisch bedrohliche Auswirkungen der neuen Besitzverhältnisse zeigen.

Possessive

«Die Romanfigur von F. Scott Fitzgerald wurde wegen seines pinkfarbenen Anzugs als ‹neureich› eingestuft und zusammengeschlagen», warnte die Stilexpertin der «NZZ am Sonntag» einen Ratsuchenden. Folglich muss der Autor eigene Geschmacksverirrungen an seiner Figur abgearbeitet haben – ein leider verbreitetes Phänomen.

Generische

Es gibt immer noch Frauen wie jene, die kürzlich zum Thema gendergerechte Sprache auf Facebook verkündete: «Also ich bin Ingenieur und stolz drauf!» Dass eine sympathische Firma, die fair produzierte Waren direkt ab Hof liefert, in einer Beilage in dieser Zeitung versprach: «Für Leser der WOZ CHF 10.- geschenkt!», war hingegen nur einem Moment der Unachtsamkeit geschuldet. Auf die berechtigte Frage von Frau W., ob das Angebot auch für WOZ-Leserinnen gelte, rufen wir laut: Aber sicher doch!

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