Nr. 21/2018 vom 24.05.2018

Von Karin Hoffsten

Innovative

«Gestalten Sie Ihre persönlichen Kaugummis», lautet die neuste Geschäftsidee bei einem Grossverteiler, denn jetzt «können Sie Fotos, Texte, Symbole und Logos ganz einfach auf Kaugummis drucken». Als Motiv wählen gläubige Christen oft Psalm 23 oder die Bergpredigt, wobei ja zum Lesen nicht viel Zeit bleibt. Bei der anderen grossen Weltreligion gibt es noch Probleme, weil die Scharia verbietet, auf Koranversen herumzukauen. Bedruckte Präservative gibts übrigens schon lange. Ob sie gerne gelesen werden, ist nicht bekannt.

Eigenwillige

«Weshalb gelüsten alle nach Macht?», formulierte der «Tages-Anzeiger» eine Leserfrage an den Psychoanalytiker Peter Schneider, worauf es diesen möglicherweise spontan gelüstete, ein paar Ohrfeigen zu verteilen.

Verschnürte

Dieselbe Zeitung ehrte den verstorbenen Zürcher Pfarrer Sieber, indem sie diverse Personen mit persönlichen Erinnerungen zu Wort kommen liess; der früheren Stadträtin Monika Stocker legte man in den Mund: «Er war nicht immer glücklich über dieses Korsett. Ich verstehe das, die normale Grüsszügigkeit fällt so weg.» So ist es: Wem die Brust eng wird, dem bleibt auch ein freundliches Grüezi im Halse stecken. 

Menschliche

Es ist hier eigentlich nicht der Ort, die Äusserungen von Privatpersonen aufzugreifen. Doch wenn sie als Inserat erscheinen, machen wir hin und wieder eine Ausnahme, zum Beispiel bei dieser Suchanzeige: «Wegen böswilligem Verlassen der bish. Partnerin gesucht: Vollzeit Kinderbetreuerin für grosses Haus + Garten. Angemessener Lohn, Eintritt nach Übereinkunft.» Wir wissen nicht, ob der Herr fündig wurde, ahnen aber, weshalb die Verflossene ging. Von Herzen gerührt hat uns hingegen ein Aufruf im «Tagblatt der Stadt Zürich»: «Es macht mich traurig, dass es Menschen gibt die kein Respekt von Verstorbenen haben und private Gegenstände im Friedhof Nordheim am Grab entwenden. Denken sie daran, es könnte auch einmal einen Angehörigen von ihnen sein!!». Hinter diesen Worten vermuten wir eine Person älteren Jahrgangs und bitten all jene um einen Moment der Einkehr, die glauben, früher sei der Deutschunterricht besser gewesen.

Angemessene

Dazu passt ein Zitat aus dem «Bund»: «Wirklich geeignet für das Nachleben ist eigentlich nur ein Gebiet, in dem niemand wohnt.» Dann kommt nämlich auch nichts weg.

Metaphorische

Inzwischen sind die USA und China ja wieder ein Stück weit vom geplanten Handelskrieg abgerückt. Doch was wir dazu kürzlich in der NZZ lasen, möchten wir Ihnen nicht vorenthalten. Unter dem Titel «Die Lunte am Welthandel» fanden sich «Fackelträger des Freihandels» und «Sünder vor dem handelspolitischen Herrn», denen «zugeknöpfte Märkte» in China «ein Dorn im Auge sind», die sich mit ihrem «Säbelrasseln» jedoch einen «Bärendienst» erweisen und besser die «Kirche im Dorf» liessen. Doch «Peking hat einige Giftpfeile im Köcher», zumal die WTO «seit geraumer Zeit auf der Intensivstation liegt». Sollten Sie sich demnächst öffentlich zum Thema äussern müssen, empfehlen wir die Nomenklatur zur Weiterverwendung. 

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